Wenn man die Augen schließt und an die ungarische Hauptstadt Budapest denkt, denkt man in allererster Linie an Brücken und Wasser: Davon hat die ungarische Hauptstadt Budapest einige zu bieten. Schließlich ist Budapest eine wahre Donaumetropole. „Wenn wir diese Stadt fühlen wollen, müssen wir zu einer ihrer großen Brücken laufen. Wir müssen in der Mitte stehen bleiben und über das breite Wasser hinwegschauen. Das, was wir hier erblicken, ist das richtige Budapest“, schreibt Miklós György Száraz in seinen Ausstellungstexten für die Andrássy Universität Budapest. Jede Brücke in Budapest bietet eine völlig individuelle Perspektive, einen ganz eigenen und interessanten Blick auf die Stadt. Die Freiheitsbrücke überzeugt mit einem fantastischen Ausblick auf den nahe gelegenen Gellértberg, während die Kettenbrücke mit ihren vier pompösen Löwenstatuen, zwei auf der Buda- und zwei auf der Pestseite, eines der Wahrzeichen und gleichzeitig die älteste Brücke Budapests ist. Die Margarethenbrücke hingegen bietet eine unvergleichbare Sicht auf beide Seiten der Donau, Parlament, Budaer Burg und Fischerbastei-Panorama inklusive. Die Funktion dieser Brücken meint man für offensichtlich zu halten. „Eine Brücke verbindet auf den ersten Blick. Doch auf den zweiten Blick kann sie auch etwas trennen, was ursprünglich nicht zusammengehörte“, erklärt Dr. András Masát, Rektor der AUB und bezieht sich dabei auf die damalige Trennung zwischen Buda und Pest. So wurde die Kettenbrücke im Jahre 1849 eröffnet, um die Vereinigung zwischen Óbuda, Buda und Pest beschleunigen zu können.

Die unsichtbaren Brücken hingegen bestehen nicht aus Stahl, Beton oder Stein: Schaut man sich die deutsch-ungarischen Beziehungen im Laufe der Geschichte an, erkennt man, dass Budapest eine Brückenfunktion erfüllt. Für die Initiatoren der Ausstellung wird die deutsche Wirkung auf Ungarn von zwei Institutionen symbolisiert: In der ersten Entwicklungsphase der Stadt durch das Pester Deutsche Theater, das im Jahre 1812 errichtet wurde, und damals als Zentrum des gesellschaftlichen Lebens und somit auch der Kultur diente. Fast 200 Jahre später wurde die Andrássy Universität als Zeichen eines deutschsprachigen Hochschulwesens in Budapest gegründet. „Auch die Entwicklung der Budapester Presse und des Verlagswesens wäre ohne die Deutschen unvorstellbar gewesen“, betont Gergely Prőhle, stellvertretender Staatssekretär im Ministerium für Human Resources. Diese Präsenz wirft natürlich die Frage der Einordnung auf: Geht es hierbei um eine deutsch-ungarische Freundschaft? Und wenn nicht, wie bewertet man die Spuren der Geschichte aus heutiger Sicht? Was ist für diese Beziehung charakteristisch? Schaut man sich allein die geographische Lage an, ist es nachvollziehbar, dass Ungarn dem deutschen Kulturkreis auch physisch immer sehr nahestand. Zudem galten München und Wien für eine Hauptstadt wie Budapest, wo sich das kulturelle Leben abspielte, immer als Orientierungsgrundlage. So gab es im 19.Jahrhundert etliche ungarische Künstler, die eine längere Zeit oder ein ganzes Leben in München verbracht hatten. Der Schlüssel zur deutsch-ungarischen Brücke ist also die Kultur. Kulturelle Beziehungen repräsentieren die wohl wichtigste Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart. So sollte man sich auf die gemeinsame Zukunft konzentrieren und die Beibehaltung des gemeinsam Geschaffenen nicht aus den Augen verlieren. Ein Schauplatz wie Budapest wird sich immer gut eignen, verschiedene Kulturen zusammenzuführen. Doch auch diese Brücke muss von Zeit zu Zeit stabilisiert, restauriert und gepflegt werden, um Deutschland und Ungarn verbinden zu können.

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