Doch wie helfen? Einerseits will man dem Hilfsbedürftigen die Scham ersparen, andererseits aber auch nicht untätig bleiben. Und was genau wird eigentlich gebraucht? Fragen gibt es viele, die Budapester Zeitung versucht, die wichtigsten Antworten zu geben und gibt Tipps, wie auch auf ungewöhnliche Art geholfen werden kann.

Gebraucht wird alles

Was wie eine Floskel klingt, ist traurige Realität. Tatsächlich gibt es unter den meisten zivilen

Hilfsorganisationen eine enge 30-32_adománytaxi-HN 3Zusammenarbeit und einen regen Austausch von Hilfsgütern, je nachdem, wo gerade was am dringendsten benötigt wird. Dabei ist die Liste der Mangelgüter ebenso unterschiedlich wie die Hilfsorganisationen selbst. Während in der Obdachlosenversorgung Schuhe, Schlafsäcke, Isomatten und Socken gerade im Winter eine wichtige Rolle spielen, werden in Familienübergangsheimen oft Geschirr,

Besteck, Töpfe, aber auch Herde, Waschmaschinen und andere Haushaltsgeräte benötigt. Wer Kindern direkt helfen möchte, sammelt Stifte, Malbücher, Puzzles, Bücher oder Lego. So weit, so logisch. Ein wenig bekannter, aber nicht zu unterschätzender Punkt sind jedoch auch Reinigungs- und Hygienemittel. Hier wird ebenfalls alles gebraucht, von Rasierern und Schaum für Männer über ausgesprochene Damenhygieneartikel. Aber auch Duschbad, Shampoo oder schlicht Reinigungs- und Waschmittel werden stets benötigt. Wer viel in Hotels unterwegs ist, kann beispielsweise die kleinen Shampoo-Fläschchen sammeln – ein absoluter Hit unter Hilfsorganisationen, denn gerade wohnungslose Menschen versuchen ihr „Alltagsgepäck“ zu reduzieren, oft eben zu Lasten der Hygiene.


„Und was mache ich mit….?“

Abgesehen von mehr oder minder offensichtlichen Hilfsgütern gibt es auch oft Gegenstände, Möbel oder Accessoires, die im ersten Moment nicht wie klassische Spenden erscheinen mögen. Das alte Kinderbett beispielsweise, oder die schicke, aber mittlerweile doch etwas zu enge Bluse, die einstige Lieblingstasche oder die Reste vom Büfett der letzten Firmenfeier? Für alles gibt es in Budapest mittlerweile eine Lösung.

Lebensmittelrettung

In Zeiten, in denen rund ein Drittel der Ungarn unterhalb der Armutsgrenze lebt, scheint es

erwerflich, Lebensmittel in den Müll zu

schmeißen. Dabei kommt es gerade bei Großveranstaltungen oft vor, dass sich beim Catering verschätzt wird und viel übrig bleibt. In solchen Fällen ist die Budapest Bike Maffia zur Stelle. „Es gibt Restaurants, zu denen fahren wir täglich und holen die übriggebliebenen Tagesmenüs. Andere Lokalen fahren wir wöchentlich an und dann gibt immer mal wieder Anrufe, bei denen wir gebeten werden, die Reste von einem

Empfang oder Event abzuholen und an Bedürftige zu verteilen“, erklärt Krisztián Kobéla, Mit-Begründer der Budapest Bike Maffia. Die Sozial-Mafiosi sind mehrmals die Woche im sogenannten Vitamin C-Kommando unterwegs. Je nachdem, was an Spenden eingegangen ist, wird in Dosen verteilt und eine Handvoll Freiwillige macht sich auf den Weg, um in Unterführungen und in dunklen Ecken diejenigen mit ein wenig Nahrung und Zuwendung zu versorgen, die sonst auf (fast) niemanden mehr zählen können.

Buntes Allerlei

Auch was auf den ersten Blick nicht wie eine Hilfe scheint, kann vielleicht doch noch Gutes

un. Ein Obdachloser kann in den seltensten

Fällen etwas mit der ausgefallenen Nachttischlampe anfangen, die aber zum Wegwerfen viel zu schade ist. Hier kommen die immer häufiger anzutreffenden Charity Shops ins Spiel. Einer der ersten dieser Art und bis heute erfolgreich ist der Mozaik-Shop der Stiftung Menedékház. Hier kann abgegeben werden, was sonst keinen so rechten Platz finden will. Von Handtaschen, über Markenkleidung bis hin zu echten

Kuriositäten ist im Mozaik fast alles zu finden. Der kleine Laden wirkt fast wie ein Flohmarkt in Miniformat. Das liebenswerte Chaos hilft jedoch nicht nur dabei, aus den eingehenden und zum Verkauf angebotenen Spenden die Arbeit der Stiftung mitzufinanzieren. Im Laden selbst arbeiten auch mehrere Obdachlose, die so Berufserfahrung sammeln und auf diese Weise vielleicht wieder einen Weg aus der Armut finden.

Spendentaxi

„Der Gedanke zum Spendentaxi kam mir schon im Sommer während der Flüchtlingskrise“, erklärt Tamás Horn. Ihn ließ der Gedanke nicht los, wie viele Spenden allein in Budapest nicht ins Hilfssystem gelangen, weil die Menschen sie einfach nicht transportieren können

oder wollen. Doch auch hier gibt es mittlerweile Abhilfe. Dank einer eigenen Facebook-Seite wird der nächste Taxi-Termin frühzeitig angekündigt und auch, was gesammelt wird. Derzeit sind es vor allem Kleider und Spielzeug, die Tamás und seine Helfer sammeln. Wer spenden will, der nimmt direkt via Facebook Kontakt auf. „Wir machen einen Termin aus und fahren dann zum abgesprochenen Zeitpunkt vor.“ Die Spenden werden in einem Lager gesammelt

und ggf. nach Größe und Art sortiert. Während vorrangig in Budapest gesammelt wird, werden die Hilfsgüter aber auch über die Grenzen der Hauptstadt hinaus verteilt. So erhielten beispielsweise die Stiftung „Van helyed“ in Ózd und Familien im nordungarischen Sajókaza mehrere Autoladungen voll Kleidung. Wie bei allen zivilen Initiativen steht auch für Tamás das Helfen im Vordergrund: „Einerseits wollen wir möglichst viele Menschen einbeziehen, auch solche, die sich vorher vielleicht nicht mit karitativen Dingen beschäftigt haben. Andererseits wollen wir das gesellschaftliche Auseinanderbrechen ein wenig lindern und das, was nicht mehr benötigt wird, dahin bringen, wo es noch von großem Nutzen sein kann. Und all das so, dass beide Seiten recht bequem dabei wegkommen.“ Also Win-win für alle.

Spenden leicht gemacht

Für Lebensmittelspenden nach Veranstaltungen steht die Budapest Bike Maffia bereit.
Krisztián Kobéla (+36-20) 624-5412
(ungarisch oder englisch)

Charity Shop Mozaik
Kleines und Größeres findet im Mozaik einen neuen Besitzer.
VII. Budapest, Dohány utca 63
Montag bis Freitag 10 bis 18 Uhr

Spendentaxi
Spendenabholung von zu Haus ermöglicht das Adománytaxi.
www.facebook.com/Adománytaxi
Für weitere Tipps zum Spenden und Helfen: elisabeth.grabow@bzt.hu

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