Die Marktwirtschaft ist unerbittlich und konsequent. Erfolgen staatliche Eingriffe ins Preisgefüge und entsteht dadurch ein künstliches Preisniveau, lassen die Antworten des Marktes nicht auf sich warten. Auf dem Budapester Taximarkt geschieht gegenwärtig genau das. Vor drei Jahren kam der Staat in Abstimmung mit dem Taxigewerbe auf die Idee, den Kilometerpreis bei 280 Forint pro Kilometer einheitlich zu fixieren. In erster Linie wollte man damit etwas für den Verbraucherschutz tun, und teils deutlich überzogenen Preisen auf einen Schlag den Boden entziehen.

Ein weiteres Motiv bei der Festlegung des recht hohen Einheitspreises dürfte sicher gewesen sein, den Taxifahrern und damit auch ihren Gesellschaften ein gutes Auskommen zu sichern. Allein, man hatte die Rechnung ohne den Wirt, in diesem Fall die Taxifahrgäste gemacht. Für viele von ihnen schien der 280er Tarif über deren Zahlungsbereitschaft zu liegen. Taxifahrer schätzen heute, dass ihre Gesellschaften durch den hohen Fixpreis etwa 30 Prozent ihrer Kunden verloren haben. Diese 30 Prozent sind natürlich nicht aufs eigene Auto oder gar aufs Fahrrad umgestiegen, sondern versuchen ihr „Taxibedürfnis“ nun auf andere Weise zu stillen.

Und sie bieten natürlich einen hervorragenden Nährboden für UBER. In diesem Sinne waren die Väter des Einheitspreises hervorragende unfreiwillige Marketingmitarbeiter von UBER. Sie schufen eine unbefriedigte Nachfrage, der sich nun UBER annimmt, während den Taxigesellschaften weitgehend die Hände gebunden sind. Wäre der Preis auf diesem hoch preissensitiven Markt wenigstens etwas beweglich, würde sich das Problem für die Taxifahrer jetzt deutlich geringer darstellen. Sie würden einfach preislich etwas nachgeben, und dem UBERfall wäre deutlich Einhalt geboten.

Dann würde sich UBER lediglich wie eine neue Taxigesellschaft darstellen, mehr aber auch nicht. In der Vergangenheit gab es auf dem Budapester Taximarkt schon mehrfach den Versuch von neuen Anbietern, diesen mit einer besonders aggressiven Preisbildung und einem guten Marketing „aufzurollen“. Die alteingesessenen Taxigesellschaften nahmen jedes Mal den Fehdehandschuh preislich auf. Keinen der Herausforderer gibt es heute noch. Nach kurzem, aber heftigem Preiskampf gingen sie zumeist in einer der großen Gesellschaften auf.

Die Möglichkeit, preislich auf das UBER-Problem reagieren zu können, haben die Taxigesellschaften jetzt jedoch nicht mehr. Sie haben dieses wichtige marktwirtschaftliche Korrektiv aus der Hand gegeben beziehungsweise sich in gegenseitigem Einvernehmen und Hoffnung auf klingende Kassen vom Staat nehmen lassen. Dumm nur für die Taxifahrer, dass sie ihr Komplize bei der Bildung eines Preiskartells von einst nun einfach im UBER-Regen stehen lässt und sogar toleriert, dass UBER den Taxigesellschaften nicht nur preislich, sondern auch bei den Rahmenbedingungen einfach auf der Nase herumtanzen kann. Während Taxifahrer im Interesse der Sicherheit und des Komforts der Fahrgäste, aber sicher auch der Marktabschottung einer langen Liste an teils sehr kostspieligen Forderungen Genüge leisten müssen, geht es für die Taxifahrer auf der UBERholspur deutlich unkomplizierter zu.

Dass der Staat hier ganz offensichtlich mit zweierlei Maß misst, dürfte nicht nur die Taxifahrer verwundern. Eine Erklärung dafür, wie es sein kann, dass Anbieter der gleichen Dienstleistung, nämlich Personen von A nach B zu bringen, von den Behörden unterschiedlich behandelt werden, bleibt der Staat bis jetzt schuldig. Wo bleibt hier die Gleichheit vor dem Gesetz? Warum ist dem Staat das Wohlbefinden seiner Bürger einmal mehr und einmal weniger wert? Dass sich die nachsichtige Behandlung von UBER aus seiner Herkunft als Kind der New Economy ergibt, taugt als Erklärungsansatz nicht, denn fast alle Taxigesellschaften haben inzwischen Apps und Smartphones als Vertriebskanäle für sich entdeckt. Dass die ungarischen Behörden keine Handhabe gegen den Multi UBER haben, wäre auch eine eher hinkende Erklärung. Es wäre sogar peinlich, wenn der Staat zugeben müsste, gegen solche Unternehmen nichts tun zu können. Und wohl auch nicht ganz zutreffend, schließlich gibt es Länder, in denen der Staat diesen Eindringling sogar einfach vor die Tür gesetzt hat.

Um das Problem UBER vom Tisch zu bekommen, wäre der Staat gut beraten, so schnell wie möglich faire, das heißt in diesem Fall vor allem gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle Anbieter von Taxisdienstleistungen zu schaffen. Weiterhin könnte erwogen werden, statt eines starren Einheitspreises ein gewisses Preisintervall zuzulassen.

Alles andere würde die Marktwirtschaft regeln, also wir Kunden!

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