Soweit die Kurzversion der Geschichte eines der bisher erfolgreichsten ungarischen Start-ups. Die beiden Hauptfiguren dieser Erfolgsstory sind Marcel Pal und Andrew Winter. Die beiden kennen sich schon seit ihrer Kindheit und haben immer schon gerne gebastelt. „Als wir 16 waren, gab es einen Wasserpfeifen-Hype in Ungarn“, erzählt Marcel in einem Interview mit dem Start-up-Portal inventures.eu, „also entschieden wir uns eines Tages die größte Wasserpfeife der Welt zu bauen – die am Ende immerhin 2,8 Meter hoch war.“ Zu dem Duo stieß später noch Greg Schlotter, mit dem sie unter anderem an Vakuum-Kühlschränken experimentierten. „Wir interessieren uns einfach sehr für alle Arten von Geräten“, erklärt Marcell, „vor allem Dinge, die es noch nicht gibt – oder die es zwar schon gibt, aber die besser sein könnten.“

Am Anfang war der Durst

Ihr „Brewie“ gehört zur ersten Kategorie. Bier wird heute üblicherweise im industriellen Großmaßstab hergestellt. Es zu Hause herzustellen, ist zwar in den wenigsten Ländern verboten, aber zeitaufwändig und teuer. Es war Andrew, der sich das Bierbrauen zunächst hobbymäßig angeeignet hatte. Seine Freunde halfen ihm und wurden dafür zur „Qualitätskontrolle“ eingeladen. „Ich habe bei ihm gelernt, dass man eine Menge Ausrüstung und Wissen braucht“, erläutert Marcel. „Außerdem muss man während des ganzen sechs Stunden langen Prozesses dabei sein: Temperatur messen, die Zutaten ausbalancieren und so weiter – und dann zwei bis drei Stunden saubermachen. Es ist ein komplizierter Prozess.“

Andrew, inzwischen Ingenieurstudent, begann deswegen an der Automatisierung des Prozesses zu arbeiten. Am Ende stand der erste Brewie, der allerdings noch eine klobige Maschine mit zwei riesigen Töpfen war. Marcel, inzwischen BWL-Student, sah trotzdem viel Potential in der Idee: „Das Bier war ziemlich gut. Und obendrein auch noch ziemlich günstig.“ Deshalb führte er zunächst eine Studie sowohl mit erfahrenen Heim-Brauern als auch mit völligen Neulingen durch. „Die Rückmelderate war enorm“, erinnert sich Marcel. „Normalerweise erhält man ein oder zwei Sätze als Kommentare in Studien, doch in diesem Fall schrieben die Leute bis zu einer ganzen Seite. Spätestens dann wussten wir: Es gibt ein großes Interesse an diesem Thema.“

Warum wollen Menschen ihr Bier zu Hause brauen?

Die Motive warum Menschen ihr Bier selber brauen wollen, sind sehr unterschiedlich. Manche wollen einfach nur günstigeres Bier trinken können, vor allem in Ländern wie Australien oder Norwegen wo die 0,33-Liter-Flasche 2,80-2,90 Dollar kostet – mit Brewie kostet es nur 0,23 Dollar. Andere schätzen das kreative Potential der Technik, mit der man individuelle Geschmackserlebnisse kreieren kann. Viele schwören außerdem auf den viel intensiveren Geschmack, weil das Bier nicht gefiltert wird, um es möglichst lange haltbar zu machen. Wieder andere wollen besondere Eigenschaften, wie weniger Alkohol oder Kalorien erreichen. In Deutschland war das private Bierbrauen übrigens bis 1992 verboten – und bis 1986 war sogar die Verbreitung von Rezepten und Zutaten verboten. Auslöser für die Änderung war Jean Pützs Hobbythek-Sendung Nr. 80 aus dem Jahr 1982 zum Thema Hausbrau, der sich einfach über das Verbot hinwegsetzte. Er gilt in der Szene als Hausbrau-Pionier. Heute darf jeder Bürger bis zu 200 Liter Bier steuerfrei herstellen. Anmelden muss er es (eigentlich) trotzdem. Im Internet gibt es zahlreiche Foren in denen sich die Hobbybrauer austauschen und in vielen Ländern gibt es sogar Vereinigungen, die Wettbewerbe austragen.

Mit dem Brewie und seiner einzigartige Vollautomatik (siehe Infobox) ist das Hausbrauen keine Angelegenheit für Bier-Nerds mehr, sondern für jedermann. Trotzdem kann jeder einzelne Parameter individuell geregelt werden, sogar unterwegs mit dem Smartphone oder Tablet. Das macht ihn auch für Hausbrau-Vollprofis spannend, denn das Experimentieren mit neuen Mischungen ist so unendlich einfacher.

Ein langer Weg von der Idee zum Produkt

Doch bis dahin war es noch ein langer Weg. Ein erster wichtiger Erfolg für die Jungs aus Budapest war der VentureCup in Dänemark, wo ihr Brewie zwar nur den zweiten Platz in der Kategorie Technologie erhielt, sie aber jede Menge positives Feedback und Kontakte mit nach Hause nehmen konnten. Sie wussten jetzt: es kann funktionieren. Sie entwickelten ihren Brewie weiter, wozu sie mit erfahrenen Brauern zusammenarbeiteten. Außerdem vergrößerten sie das Team. Ein weiterer Ingenieur, ein Grafik- und ein Produktdesigner komplettierten das Team. Erst jetzt wurde der Brewie zu einem wirklichen Produkt. Sein minimalistisches Design, das ein bisschen an ein Apple-Produkt erinnert, die simple Bedienung – und nicht zu vergessen der professionelle Auftritt im Internet. Letzter ist unverzichtbar um die nächste Stufe einzuläuten: den Verkauf. Denn Wettbewerbe gewinnen ist eine Sache – und das tat der Brewie auch weiter fleißig (siehe Infobox) – aber bisher hatten die sechs noch keinen einzigen Forint am Brewie verdient. „Und was nützt dann die beste Idee?“, fragt Marcel. „Sicher hatten schon hunderte Leute diese brillante Idee, eine Maschine zu bauen, die dich mit unendlich viel Bier versorgt – aber sie hatten damit keinen Erfolg.“

Das Mittel der Wahl für die meisten Start-ups ist heutzutage eine Crowdfunding-Kampagne. Dabei geht es darum, das nötige Kapital für den nächsten Schritt zu sammeln – in diesem Fall die erste Serienproduktion. Im Falle von Plattformen wie Indiegogo oder Kickstarter geht das über Vorbestellungen für das noch zu produzierende Produkt. Es gibt auch Crowdfunding-Plattformen, wo verzinste Kredite vergeben werden oder man Anteile an den Start-ups erwerben kann (wir berichteten in Ausgabe 48/2015). Um die Kampagne bekannt zu machen, besuchten sie Messen, ließen Experten ihr Bier testen, erstellten Videos und verbreiteten sie über Social Media. „Natürlich geht es um Publicity“, erklärt Marcel. Immerhin müsse man sich von den vielen Produkten auf den Crowdfunding-Plattformen irgendwie abheben.

Das ist alles unverzichtbare Vorarbeit für eine Crowdfunding-Kampagne. „Aber am wichtigsten ist Glaubwürdigkeit“, sagt Marcel. „Die Menschen müssen glauben, dass das, was du tust, tatsächlich funktioniert.“ Dass Marcel und sein Team viele Menschen überzeugen konnten, ihnen im Voraus 1.000-1.500 Dollar für einen Brewie zu bezahlen, war das Ergebnis harter Arbeit. Für die eigentliche Kampagne auf Kickstarter planten sie zwei bis drei Wochen Vorbereitungszeit ein. Es wurden fast fünf Monate. Doch ihre penible Vorbereitung wurde belohnt: Zum Ende der Kampagne am 31. Januar hatten sie 223.878 Dollar eingesammelt – mehr als das doppelte des angezielten Betrags – und in einer weiteren Kampagne sogar über 500.000 Dollar. Damit ist es das bisher erfolgreichste ungarische Crowdfunding-Projekt.

Brewie erobert die Welt?

Inzwischen läuft die Produktion auf Hochtouren. Im Februar sollen die Bestellungen der ersten und im März der zweiten Kampagne versandt werden, vor allem nach Westeuropa, die USA und Australien, aber auch in Länder wie Panama. Dann heißt es, die Testberichte ihres Brewie abwarten. Diese werden maßgeblich darüber entscheiden, wie es weitergeht. Aber das Brewie-Team ist mehr als zuversichtlich. Marcel ist in dieser Woche zur Customer Electronics Show (CES) nach Las Vegas – eine der weltgrößten Messen für Unterhaltungselektronik – gefahren, um den Brewie dort zu präsentieren.

„Die Amerikaner sind geradezu verrückt nach Hausbrauen“, erzählt Mark Schiller, der bei Brewie für das Marketing zuständig ist. „Hausgebrautes Bier hat dort bereits einen Marktanteil von 20 Prozent! Die Hausbrau-Revolution ist da, und wir wollen dort sein, wo sie beginnt.“ Sie planen jedenfalls schon mit der Serienproduktion. Im Moment kalkulieren sie mit ihren Lieferanten die Preise und Lieferzeiten. Sie würden den Brewie gern in Ungarn produzieren lassen, aber sie stehen in Verhandlungen mit verschiedenen Lieferanten aus ganz Europa.

Die Jungs von Brewie arbeiten auch schon an neuen Produkten – an welchen, will Mark Schiller aber noch nicht verraten. Wie die Geschichte von Brewie, dem Bierbrauautomaten ausgeht, ist also noch offen.

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