Orbán möchte Hälfte des Bankensektors „kontrollieren“.
„Im Westen ist man uns anfänglich mit Unverständnis begegnet, doch Schritt für Schritt finden sich Instrumente unserer Wirtschaftspolitik im Steuer- und Rentensystem anderer Länder wieder“, erklärte Ministerpräsident Viktor Orbán am Dienstag vor der Ungarischen Industrie- und Handelskammer (MKIK). Jetzt folge der Aktionsplan zum Schutz der Arbeitsplätze, das „Kernstück der Philosophie dieser Regierung“. Ein weiterer Teil des neuen Wirtschaftsmodells sei, 50 Prozent des heimischen Bankensektors in ungarische Hand zu bringen. Wie er sich das vorstelle, verriet der Ministerpräsident allerdings nicht.
Weniger als sieben Prozent auf Schatzbriefe.
Der Durchschnittsertrag der dreimonatigen Diskontschatzbriefe fiel am Dienstag unter 7% (exakt auf 6,89%), den niedrigsten Wert seit November 2011. Die Zentrale zur Verwaltung der Staatsschulden (ÁKK) nutzte die günstige internationale Stimmung und den „IWF-Bonus“, um die offerierte Menge an Staatsanleihen um 15 auf 60 Mrd. Forint anzuheben.
Wettbewerbssphäre zahlte real höhere Löhne.
In den ersten fünf Monaten verdienten die Ungarn nach neuesten Angaben des Zentralamts für Statistik (KSH) im Durchschnitt 221.000 Forint brutto (ca. 760 Euro), im Mai waren es in der Wettbewerbssphäre – wie das Volkswirtschaftsministerium hervorhob – immerhin schon 237.000 Forint. Weil die Inflation insbesondere aufgrund der vielfältigen Steuererhöhungen noch immer anzieht, lagen die Reallöhne wei-terhin ungefähr 3% unter Vorjahresniveau. Im Falle der im Privatsektor beschäftigten Arbeitnehmer spricht das Fachressort derweil von einem Reallohnzuwachs bei einem durchschnittlichen Nettolohn von im Mai 153.000 Forint (ca. 530 Euro).
Weniger Sozialabgaben auf Investitionen.
Voraussichtlich im Herbst wird das Wirtschaftsministerium eine Vorlage im Parlament einbringen, wonach Firmen in unterentwickelten Regionen des Landes durch die Bildung „freier Unternehmerzonen“ begünstigt würden, schrieb die regierungsnahe Tageszeitung Magyar Nemzet. So würden neue Investitionen gefördert, indem die Firmen nur halbierte Sozialabgaben für ihre Mitarbeiter zu erbringen bräuchten.
Unrentable Sitzbezüge.
Bei der Car-Inside Kft. gehen ca.150 Arbeitsplätze verloren, wenn es nicht gelingt, günstige Zusatzaufträge an Land zu ziehen. Das Unternehmen der deutsch-bosnischen Prevent-Gruppe verlagert die Produktion aus Kostengründen nach Bosnien-Herzegowina, weil sich das Nähen von Sitzbezügen in Ungarn nicht mehr rechne. Zeitungsmeldungen zufolge ist das Unternehmen Zulieferer von BMW.
Ungarn auch laut Nielsen extrem pessimistisch.
Die ungarischen Verbraucher sind bekanntlich extrem pessimistisch; eine aktuelle globale Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Nielsen bekräftigt noch dieses (Vor-) Urteil. Der Konsumklimaindex fiel mit 30 Punkten auf einen extrem niedrigen Stand; vor einem Jahr lag dieser Wert bei 43 Punkten, vor zwei Jahren bei immerhin 65 Punkten. Ganze 9% der befragten Magyaren sehen wenigstens die Entwicklung der eigenen Finanzen in der nächsten Zukunft optimistisch, die Aussichten am Arbeitsplatz beurteilten nur 3% zuversichtlich. Das Konsumklima ist momentan in Indonesien und Indien (120 bzw. 119 Punkte) das Beste.
Sberbank macht OTP Konkurrenz.
Die russische Sberbank möchte bis Jahresende 200 Mio. Euro Kredite an Firmenkunden der soeben erworbenen Magyarországi Volksbank ausreichen. Wie auf dem Heimatmarkt Russland sollen in erster Linie Agrarfirmen günstige Kredite erhalten. Damit könnte der neue Marktakteur der bislang weitgehend uneingeschränkt herrschenden OTP Bank Konkurrenz machen. Die Sberbank schluckte das Filialnetz der Volksbanken-Gruppe in acht Ländern Mittelosteuropas für gut 500 Mio. Euro.
Brose in Kecskemét am Start.
Die Brose Hungary Automotive Kft. hat auf dem Werksgelände von Mercedes in Kecskemét 35 Arbeitsplätze geschaffen, wo man mechatronische Komponenten und elektrische Steuerungssysteme fertigen wird. Das Projekt kostete rund 675 Mio. Forint, 106 Mio. Forint davon flossen als EU-Fördermittel, informierte Geschäftsführer Karl Kovac. Brose verwirklicht in Ungarn eine ähnliche technologische Kooperation wie im Mercedes-Stammwerk in Rastatt.
n Dreimal so viele Mitarbeiter wie geplant. Die Pepperl+Fuchs Kft. hat in Veszprém eine weitere Werkhalle auf 2.500 qm eingeweiht und ihre Produktionsflächen auf diese Weise um ein Drittel ausgeweitet. Geschäftsführer Jürgen Chrobak erinnerte daran, dass der Hersteller von Industriekabeln und Spritzgussteilen ursprünglich mit maximal 150 Mitarbeitern plante, im Laufe von 15 Jahren die Mitarbeiterzahl aber auf gut 425 Personen zu steigern vermochte. Im Vorjahr setzte die ungarische Firma 4,8 Mrd. Forint um.
Continental baut aus.
Die Continental-Gruppe hat eine neue Werkhalle am Standort Veszprém eröffnet, womit 150 Arbeitsplätze geschaffen werden. Für das 2,8 Mrd. Forint teure Projekt, das in nur sechs Monaten realisiert werden konnte, steuerte der Neue Széchenyi-Plan 512 Mio. Forint an Fördermitteln bei. Der Stellvertretende Ministerpräsident Tibor Navracsics würdigte, dass die Stadt und der Großraum Veszprém auch dank Continental wieder eine wirtschaftliche Entwicklung erfahren könnten.
Computerspende für Bibliothek.
Die Robert Bosch Energy and Body Sytems Kft. hat der Universitätsbibliothek Miskolc hochwertige Computertechnik (Laptops, PC und Monitore) der Marken Lenovo, IBM und NEC gespendet. Geschäftsführer Max Nitzsche begründete das Engagement mit der zukunftsorientierten Strategie der Bosch-Gruppe, die ihr Hauptaugenmerk auf ein modernes Hochschulwesen richtet.
Neue Fertigung in Esztergom.
Als Zulieferer der Mineralölindustrie hat die Tari-Prod Kft. im Industriepark Esztergom eine 4.000 qm große Werkhalle aufgebaut und eine moderne CNC-Anlage in Dienst gestellt. Für diese Projekte wandte der Familienbetrieb nahezu so viel Geld (insgesamt 400 Mio. Forint) auf, wie man an Umsätzen (2011: 543 Mio. Forint) zu realisieren vermag, sagte Geschäftsführer und Inhaber István Sztancsik. Die Firma erhielt für die Entwicklungsmaßnahmen, die zehn neue Arbeitsplätze schaffen, Fördermittel im Gesamtvolumen von 120 Mio. Forint.
Mol in Topliste „Fortune Global 500“.
Der ungarische Mineralölkonzern Mol ist in der aktuellen Top500 des Magazins „Fortune“ vom 469. auf den 412. Platz vorgerückt und weiterhin als einziges Unternehmen aus Ungarn im internationalen Spitzenfeld präsent. Neuer Spitzenreiter wurde übrigens Royal Dutch Shell (mit Umsatzerlösen von 485 Mrd. Dollar), während es für die Handelskette Wal-Mart hinter Exxon diesmal nur zum 3. Platz reichte.
Airbus-Basis in Ostungarn.
Der deutsche Investor Diehl Aerosystems hat eine neue Fabrik für Flugzeugteile in Nyírbátor eingeweiht. Damit rückt die ostungarische Stadt auf die Landkarte der Zulieferer des europäischen Luftfahrtkonzerns Airbus, für dessen beliebtestes Modell A320 hier u. a. Türen und Teile der Klimaanlage gebaut werden.




