In den vergangenen Tagen hielt ein in der südungarischen Stadt Pécs begangener brutaler Mord ganz Ungarn in Atem. Das Mordopfer: die 25-jährige Polizeipsychologin Kata Bandy. Der mutmaßliche Mörder: der 26-jährige arbeitslose Roma László Péntek. Doch zurück zum Hergang: In den Morgenstunden des 8. Juli verschwand Kata Bandy auf dem Weg zu ihrer Wohnung spurlos.
Zuvor hatte sich die als offen, freundlich und gutmütig geltende junge Frau mit Freunden in einem Pécser Lokal getroffen. Gegen zwei Uhr morgens trat sie alleine den Nachhauseweg an. Ihre Wohnung, die sich laut Medienberichten in einer „unsicheren Gegend“ von Pécs befinde, erreichte sie aber nicht mehr. Als letzter telefonierte der Vater mit der jungen Frau: „Ich sprach mit ihr Samstagabend um etwa neun. Sie war fröhlich und in guter Laune“, sagte Pál Bandy gegenüber der Regionalzeitung Dunántúli Napló. Kata Bandys Verschwinden fiel erst am Montag auf, als sie nicht an ihrem Arbeitsplatz bei der Pécser Polizei erschien. In der Folge startete die Polizei eine groß angelegte Suchaktion, an der eine halbe Hundertschaft an Ordnungshütern teilnahm. Die nackte Leiche Bandys wurde zwei Tage später, am Mittwoch, in einem Gebüsch auf einer illegalen Mülldeponie gefunden – von Kindern, die dort gespielt hatten, wie die Boulevardzeitung Blikk am vergangenen Mittwoch berichtete. Laut Medienberichten geht die Polizei davon aus, dass die junge Frau zuerst auf „bestialische Weise“ missbraucht und danach erdrosselt worden war. Nachdem der Tatbestand des Mordes feststand, startete die Polizei umgehend die Suche nach dem Täter. Samstagnacht konnte der mutmaßliche Mörder in der Person von László Péntek schließlich gefasst werden. Wie der Nachrichtensender Hír TV berichtete, konnte die Polizei Péntek in der Nähe der südungarischen Gemeinde Bóly habhaft werden, als er zu Fuß über die Grenze ins nahe gelegene Kroatien fliehen wollte. Seit vergangenem Mittwoch sitzt Péntek in Untersuchungshaft.
DNA-Spuren führten Polizei zum Mörder
Der arbeitslose und mehrfach vorbestrafte Péntek war erst Wochen vor der Tat aus der Ortschaft Kelebia (Südungarn) nach Pécs gezogen, wo er bei Familienangehörigen in einem völlig verwahrlosten Sozialwohnheim der Stadt Pécs unterkam. Die Bewohner des Sozialwohnheims beschrieben ihn in den Medien als unauffällig und von der Statur her als schmächtig. Der Grund, warum ihn die Polizei binnen weniger Tage finden konnte, waren DNA-Spuren auf der Leiche von Kata Bandy. László Péntek hatte wegen wiederholten Raubs mehrere Jahre im Gefängnis gesessen, seine DNA war der Polizei also bestens bekannt.
Laut Medienberichten gab Péntek bei seinem Verhör durch die Polizei an, am Tag der Tat zwei Liter Wein getrunken und Drogen zu sich genommen zu haben. Als er nachts die junge Frau auf der Straße angetroffen habe, habe er sie ein Stück weit begleitet und dann versucht, sie zum Sex zu zwingen. Als sich die Frau zur Wehr setzte, habe er sie kurzerhand erwürgt. Dies soll Péntek der Polizei zu Protokoll gegeben haben. Während des Verhörs soll er aber auch gesagt haben, dass er die Zeche für den Mord alleine zahlen werde, was darauf hindeutet, dass Péntek die Tat nicht alleine begangen haben könnte. Davon geht offenbar auch die Polizei aus, setzte sie doch die intensiven Ermittlungen auch nach der Festnahme von Péntek fort. Wie in den Medien berichtet wurde, deutet Vieles darauf hin, dass Péntek mit einem oder zwei Komplizen den Mord an Kata Bandy begangen habe. Die Polizei vermutet, dass Bandy mit Gewalt in ein Auto gezerrt und dann an einen Ort gefahren worden war, wo sie missbraucht und schließlich ermordet wurde. Zu den Komplizen des mutmaßlichen Mörders könnte Pénteks Bruder gehören, der nach dem Mord untergetaucht ist.
Unter den Roma geht die Angst um
In dem Sozialwohnheim, wo Péntek zuletzt wohnte und in dem vorwiegend Angehörige der Minderheit der Roma leben, geht inzwischen die Angst um. Die Bewohner des Hauses befürchten, dass sich der Zorn gewaltbereiter rechtsradikaler Ungarn nun gegen sie entladen könnte. Eine Bewohnerin des Hauses erging sich gegenüber einem Mitarbeiter der Tageszeitung Népszabadság in Beteuerungen: „Wir haben nichts mit der ganzen Sache zu tun. Wir sind keine Verbrecher. Uns tut dieses arme Mädchen sehr leid. Sehr! Sie war ein guter Mensch. Wir haben sie täglich gesehen, und wir mochten sie.“ Die Angst der Roma scheint nicht unbegründet zu sein: Am vergangenen Mittwoch hielt die rechtsradikale Partei Jobbik in Pécs eine Demonstration ab, bei der lauthals gegen die Minderheit der Roma und die „Zigeunerkriminalität“ gewettert wurde.
Ein ruhiges Mädchen
Über die ermordete Kata Bandy ist aufgrund der Medienberichte so viel bekannt, dass sie bei der Polizei als Psychologin arbeitete. Als solche führte sie einerseits regelmäßige Stresstests unter den Polizisten durch, andererseits psychologische Eignungstests unter den Anwärtern auf einen Polizeijob. Ihre Schwester beschrieb sie gegenüber dem Nachrichtenportal Origo als „ruhig“. Den Großteil ihrer Freizeit habe sie mit Freunden verbracht, in ihren freien Stunden habe die Psychologin aber auch sehr viel Fachliteratur zu Hause gelesen.




