Der Präsident des ungarischen Parlaments, László Kövér, ließ am Montag dieser Woche mit einem Interview in der regierungsnahen rechtskonservativen Tageszeitung Magyar Hírlap aufhorchen. Im Gespräch mit dem Blatt deutete Kövér an, dass gegen Regierungschef Viktor Orbán international ein Putschversuch geplant gewesen sei.
Er nannte diesbezüglich den Namen des ungarischstämmigen US-amerikanischen Politikers Charles Gati, der die Außenminister der Demokratischen Partei seit Langem mit Informationen und Ratschlägen zu Ungarn versorgt. Laut Kövér soll Gati früher in mehreren Interviews gesagt haben, dass Viktor Orbán eben auf anderem Wege entfernt werden müsse, wenn es mit demokratischen Mitteln nicht klappe. Der zu Beginn des Jahres organisierte so genannte Friedensmarsch als Solidaritätskundgebung zugunsten der Regierung Orbán sei da genau die richtige Antwort gewesen, meinte der Parlamentspräsident. Hätte es einen solchen Friedensmarsch zu Zeiten der Wende gegeben, hätte sich in Ungarn „Vieles ganz anders entwickelt“, sagte er.
Zu den früheren Spannungen mit der EU und dem Internationalen Währungsfonds (IWF), sagte Kövér gegenüber Magyar Hírlap, dass die Regierung Orbán nie im Sinn gehabt hätte, die genannten internationalen Organisationen niederzuringen, es sei ausschließlich darum gegangen, „die Souveränität Ungarns zu bewahren beziehungsweise zurückzuerlangen“. In Hinblick auf die äußerst umstrittene Wirtschaftspolitik des Landes (lesen Sie dazu das Interview mit Ex-Finanzminister Péter Oszkó auf der Seite 4) äußerte sich der Parlamentspräsident über Volkswirtschaftsminister György Matolcsy positiv.
Verteidigung der Sondersteuer
Kövér vertritt die Meinung, dass die Kritiker Matolcsys – darunter auch eher konservative Wirtschaftsexperten – im großen Ganzen denselben wirtschaftspolitischen Rezepten das Wort redeten, die das Land unter den linksliberalen Regierungen in die wirtschaftliche Misere geführt hätten. Vor diesem Hintergrund sei es mithin begrüßenswert, dass Matolcsy wirtschaftspolitisch zu neuen Ufern aufbreche. Kövér betonte, dass die Regierung Orbán vor allem der Mittelschicht entgegenkommen wolle. Diese werde auch in Zukunft das Rückgrat der Gesellschaft bilden, sagte er.
Kövér verteidigte in dem Interview auch die Sondersteuern. Die Regierung habe sich deshalb dieses Mittels bedienen müssen, weil angesichts der Rosskur der linksliberalen Vorgängerregierungen anderswo nichts mehr zu holen gewesen sei.
Im Rückblick auf die vergangenen zwei Regierungsjahre sagte Kövér, dass enorm viele Rechtsregeln verabschiedet worden seien. Im Grunde hat die Regierung Orbán eine „ganze Staatsreform“ umgesetzt, so der Parlamentspräsident. Angesprochen auf den Popularitätsverlust des Fidesz, sagte Kövér, dass die Regierungspartei verglichen mit früheren Regierungsparteien zur Halbzeit der laufenden Legislaturperiode gar nicht so schlecht dastehe, wie dies vielfach dargestellt werde.
Er wies diesbezüglich auch darauf hin, dass die Arbeit von zwei Jahren erst jetzt Früchte zu tragen beginne. Er bemerkte noch, dass diese Arbeit obendrein in einem „sehr schwierigen internationalen Umfeld“ verrichtet worden sei. Zu den Spekulationen, wonach Ex-Premier Gordon Bajnai (2009-2010) in die Politik zurück-kehren könnte, sagte Kövér, dass dies wohl vom Zustand der Linken abhängen werde. Der Parlamentspräsident betonte, dass er angesichts der Zerrüttung des linken Lagers verstehen könne, wenn Bajnai mit seiner Rückkehr noch abwarte.





