Der rumänische Ministerpräsident Victor Ponta erwartet eine Erklärung von seinem ungarischen Amtskollegen Viktor Orbán für die „beleidigenden Äußerungen“ von Parlamentspräsident László Kövér, die dieser am vergangenen Wochenende in der vorwiegend von ungarisch sprechenden Széklern bewohnten zentralrumänischen Stadt Odorheiu Secuiesc (ungarisch: Székelyudvarhely; deutsch: Oderhellen) gemacht hat. Orbán wird dazu am kommenden Wochenende Gelegenheit haben, trifft er doch in Bukarest mit Ponta zu Gesprächen zusammen.
László Kövér hatte am vergangenen Sonntag gesagt, dass sich die rumänische Regierung „unfreundlich, unzivilisiert und barbarisch“ verhalten habe, als sie im rumänischen Kreis Harghita nach den sterblichen Überresten des Schriftstellers József Nyirõ (1889-1953) habe suchen lassen und einem Toten das Recht genommen habe, in seiner Heimat die letzte Ruhe zu finden.
Verletzung der Beziehungen
Eine Reaktion der offiziellen Stellen in Rumänien folgte auf dem Fuß: Das rumänische Außenministerium forderte das ungarische Außenamt über den rumänischen Botschafter in Budapest auf, die Aussagen Kövérs restlos zu klären. Zuvor schon war der ungarische Botschafter in Rumänien ins rumänische Außenamt zitiert worden, wo mitgeteilt worden war, dass Bukarest mit der in Odorheiu Secuiesc geplanten Neubeisetzung des „Rumänien-feindlichen, antisemitischen und rechtsradikalen“ Schriftstellers nicht einverstanden sei. Die Äußerungen Kövérs wertete das rumänische Außenministerium gar als eine Verletzung der gutnachbarschaftlichen Beziehungen zwischen Ungarn und Rumänien.
Falsche Erlaubnis für Neubeisetzung ausgestellt
Die unbedachten Äußerungen Kövérs wurden dadurch provoziert, dass die rumänischen Behörden die Neubeisetzung Nyirõs im letzten Moment nicht nur platzen ließen, sondern auch nach der Urne mit den sterblichen Überresten des Schriftstellers mit dem Ziel fahndeten, sie zu beschlagnahmen. Dem war vorausgegangen, dass der Bürgermeister von Odorheiu Secuiesc eine falsche amtliche Erlaubnis für die Neubeisetzung Nyirõs ausgestellt hatte – böse Zungen behaupten, mit Absicht –, worauf der Präfekt des Kreises Harghita beim zuständigen Verwaltungsgericht Einspruch erhob. Bis zum Ende des eingeleiteten Verfahrens darf Nyirõ jedenfalls nicht beigesetzt werden.
Statt der feierlichen Beisetzung gab es in Odorheiu Secuiesc am Sonntag letztlich nur eine öffentliche Andacht zum Gedenken an József Nyirõ. Neben László Kövér und dem Vorsitzenden der rechtsradikalen ungarischen Partei Jobbik, Gábor Vona, nahmen an dieser mehrere Hundert Menschen teil. Der heute in Rumänien heftig umstrittene József Nyirõ war nach dem Putsch der nazistischen Pfeilkreuzler 1944/45 im damaligen Groß-Ungarn (mitsamt der von Ungarn bewohnten Südslowakei und Teilen Siebenbürgens in Rumänien) Mitglied des Nazi-Rumpfparlaments. Nyirõ war auch Chefredakteur des in Sopron publizierten letzten Printorgans der Pfeilkreuzler-Regierung unter Ferenc Szálasi, Eleven Újság. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Nyirõ in der Emigration im spanisch-kastilischen Escorial. Er starb am 16. Oktober 1953 im Alter von 64 Jahren in Madrid.





Skandalös, wenn in irgend einer Weise Pfeilkreuzler geehrt werden.