Am Dienstag war es soweit – der neue Fahrradweg auf der Andrássy út wurde durch Oberbürgermeister István Tarlós feierlich den zweirädrigen Nutzern übergeben. Erste Tests und nichtrepräsentative Umfragen unter den Budapester Fahrradkurieren zeigen, die Neugestaltung wurde positiv angenommen, allerdings ist noch viel zu tun.
Für mehrere Millionen Forint wurde die Fahrradspur von den Parkplätzen auf jene Seite verlegt, die der Fahrbahn zugewandt ist. Die Vor- und Nachteile der Verlegung des Radweges ließen sich auflisten, dem geneigten Leser werden sich diese aber nach einem kurzen Blick ohnehin rasch selbst erschließen.
Zu wenig Platz
Doch weg vom gefühlten, hin zum tatsächlichen Platzmangel für Radfahrer in Budapest. Während andere Großstädte mit ausgeklügelten Marketing- und Werbestrategien darum kämpfen, den Zuwachs ihrer Radfahrer-Quote auf über zehn Prozent zu heben liegt diese Zahl in Budapest seit Jahren anhaltend bei über 50 Prozent, was wohl auch der stetigen Verteuerung der Kraftstoffpreise geschuldet sein dürfte. Selbst dem unachtsamsten Autofahrer dürften die in immer größeren Gruppen an Ampeln wartenden Radler aufgefallen sein.
Dass der ein oder andere Autofahrer eventuell nicht nur freundschaftlich auf die zweirädrigen Verkehrsteilnehmer blickt, ist auf den Budapester Straßen fast schon Normalität. Allerdings wird es auch für die Fahrradfahrer untereinander immer schwieriger, sich gegenseitig mit Wohlwollen zu betrachten. Dies liegt jedoch nicht etwa an etwaigem Fahrrad-Neid, sondern schlichtweg am akuten Platzmangel.
Denn kaum ist das Wetter besser, die Straßen trocken und die Bikinisaison in greifbarer Nähe schwingen sich immer mehr Menschen auf’s Rad. Was an sich durchaus wünschenswert ist, wird aber aufgrund der Umstände langsam zur Plage. Nicht nur den oben bereits erwähnten Kurierfahrern fällt es immer schwerer, sich an die Verkehrsregeln zu halten und sich innerhalb der Fahrradspuren zu bewegen. Auch ein versierter Radfahrer wird schnell an den Rand des Wahnsinns getrieben, wenn die vor ihm an der Ampel wartende junge Studentin der Geisteswissenschaften in Schlangenlinien anfährt und so sich und alle anderen Verkehrsteilnehmer in Gefahr bringt. Dabei wäre die Lösung doch so einfach.
Erste Schritte
Die Fahrradweg-Situation in der Innenstadt verbessert sich stetig – aber langsam. Wie die Umgestaltung des Andrássy út zeigt, sind die Stadtväter durchaus daran interessiert, mehr Menschen vom Auto aufs Rad zu bekommen. Doch leider sind bisher nur die wenigsten Hauptverkehrsadern der Stadt auch für zweirädrige Verkehrsteilnehmer ausgebaut worden. So ist der äußere körút, die Linie der Straßenbahnen 4 und 6, tagsüber für Fahrradfahrer ein Kamikaze-Ausflug. Parkende Autos auf der einen, fahrende auf der anderen Seite. Zwischen Ferenciek tere und Keleti pályaudvar gibt es nicht mal einen Fahrradweg. Bleibt also die Autospur. Überlebenskampf im Großstadtdschungel in neuer Dimension. Wirklich ausgebaute Radwege sind eine Seltenheit. Und dabei doch so dringend erforderlich. Also, liebe Stadtväter, Danke für das bisher Geleistete und auf zu neuen Aufgaben!






