Der 1. Mai stand auch dieses Jahr wieder traditionell im Zeichen der Linken und der Gewerkschaften. Die oppositionellen Sozialisten (MSZP) begingen den 1. Mai wie schon in den vergangenen Jahren im Városliget (Stadtwäldchen) in unmittelbarer Nähe zu den Gewerkschaften. Hauptredner bei der Veranstaltung der Sozialisten war MSZP-Chef Attila Mesterházy.
Dieser sagte, es habe sich in den vergangenen zwei Jahren deutlich gezeigt, dass die Regierung von Viktor Orbán sich nicht für die Arbeiter einsetze, sondern vielmehr einen Kampf gegen sie führe. Demgegenüber sähen sich die Sozialisten als Repräsentanten und Verteidiger des arbeitenden Volkes, deren Ausbeutung sie nicht länger zulassen würden. Was die Regierung Orbán betreibe, sei nichts anderes als „politisches Gangstertum“. Diese Politik, so Mesterházy, werde zu einem „Land von sechs Millionen Bettlern“ führen.
Der MSZP-Vorsitzende fügte hinzu, dass Premier Viktor Orbán dies alles aber nicht jucke. Was ihn interessiere sei vielmehr der Fußball. So gebe der „Maradona von Felcsút“ über 100 Milliarden Forint für sein Hobby, den Fußball, aus. (Viktor Orbán ist der Präsident der Ferenc Puskás Fußballakademie in der zentralungarischen Ortschaft Felcsút, wo er einen Großteil seiner Kindheit verbracht hat).
Die rechtsradikale Partei Jobbik erging sich derweil in Verschwörungstheorien. Jobbik-Vorsitzender Gábor Vona erklärte, dass seine Partei von fremden Elementen infiltriert worden sei. Diese hätten das Ziel, die Partei von innen zu zersetzen. Vona versuchte indes die Jobbik-Anhänger zu beruhigen, indem er sagte, dass die Führungsebene seiner Partei frei von destruktiven Kräften sei.
Die Ökopartei „Eine andere Politik ist möglich“ (LMP) richtete am 1. Mai ihr Augenmerk auf die Probleme der Jugend. Bei einer Pressekonferenz im Rahmen ihrer Mai-Veranstaltung ließ die Partei verlauten, dass es keinen Grund zum Feiern gebe, liege doch die Arbeitslosigkeit auf einem Zwei-Jahres-Hoch. Die LMP wies außerdem darauf hin, dass 25 Prozent der ungarischen Jugendlichen arbeitslos seien, weshalb immer mehr junge Menschen ins Ausland gingen.
Bei der Kundgebung der Demokratischen Koalition (DK) redete sich Ex-Ministerpräsident Ferenc Gyurcsány (2004-2009) in Rage. Der Grund: Gyurcsány steht im Verdacht, Plagiat begangen zu haben. Der Ex-Premier holte zu einem verbalen Rundumschlag aus und bezeichnete all jene, die ihn des Plagiats verdächtigen als „Schurken“, die er vor Gericht bringen werde.




