Wer die einleitenden Seiten seines Budapestführers gelesen hat, weiß, dass der VII. Bezirk zwischen Király utca und Dohány utca als jüdisches Viertel bekannt ist. Wenn man durch die parallelen und sich kreuzenden Strassen läuft, ist es daher keine Überraschung, auf die verschiedensten jüdischen Einflüsse zu treffen. Neben den Konditoreien und koscheren Tante-Emma-Läden findet sich unerwarteter Weise auch ein Restaurant, das eine unorthodoxe Mischung von jüdischen und italienischen Einflüssen unter dem Doppelnamen Yiddishe Mamma Mia anbietet.
Seit Mai letzten Jahres hat sich das Lokal im Innenhof des Gozsdu udvar niedergelassen. Die Räumlichkeiten bestehen aus einer Mischung von übergroßen schwarz-weiß Fotos mit Straßenszenen aus den fünfziger Jahren an den ansonsten kahlen Wänden, mit Olivenzweigmotiven im toskanischen Stil, mit dem die Pfeiler der Arkaden geschmückt sind und mit futuristischen Dekorationen aus Japanpapier, die von einer modernen Menora dominiert werden. In einer Ecke zeigen ein Klavier und ein Kontrabass an, dass am Wochenende – vorwiegend Jazz und lateinamerikanische – Musik gespielt wird.
Für das bessere Verständnis zwischen den jüdischen und den italienischen Inspirationen öffnet man am einfachsten die Speisekarte. Auch wenn das Restaurant nicht koscher ist, wird kein Schweinefleisch serviert. Viele Einzelheiten sind ganz eindeutig jüdisch wie der „gefillte Fish“, andere typisch italienisch, wie die Bruschetta, aber die meisten sind eine Verbindung zwischen beiden, wie zum Bespiel das Yentl-Risotto oder die König David Pizza mit Tomatensauce, Ruccola, Parmesan und geräucherter Entenbrust.
Nur Jüdisch
Als Vorspeise empfiehlt sich das Jüdische Eiergericht. Hinter dem schlichten Namen verbirgt sich eine Mischung aus grob gehackten gekochten Eiern, Knoblauch, Zwiebeln, Kräutern und Gewürzen. Das Ergebnis ist zwar ein bisschen trocken, aber sehr interessant, und dank der ausgewogenen Zutaten hat es erheblich mehr Biss als man erwarten würde.
Eine weitere Option ist die erprobte und bewährte Zusammenstellung aus Ziegenkäse, Birne und Honig. Laut Karte soll der Käse gegrillt sein, aber das Ergebnis ist wesentlich raffinierter. Der Ziegenkäse behält seine Frische und seinen Geschmack, den die Schärfe des Chilis wie ein nachträglicher Einfall gestreift hat. Nur die im Ganzen gegarte Birne könnte etwas saftiger sein, aber Alles in Allem ist das ein guter Einstieg für die Mahlzeit. Leider ist der dazu gereichte Bagel etwas zu salzig, und der Teig scheint nicht lange genug gegangen zu sein.
Als Hauptgericht sollte man das typische jüdische Sabbat-Gericht Sólet probieren. Es wird die ganze Woche lang in zwei verschiedenen Versionen serviert: Als Córesz, nach dem hebräischen Wort für schwierig oder begrenzt, wird es mit ganzen gekochten Eiern zubereitet. Die Rothschild-Version ist, was nicht überraschen dürfte, üppiger und teurer: Der dicke Eintopf aus getrockneten weißen Bohnen enthält nicht nur Eier, sondern ist angereichert mit einem Trio aus knuspriger Gänsekeule, zartschmelzenden Scheiben aus gepökelter Gänsebrust und einigen Scheiben von Gänsewurst. Es ist nicht nur eine üppige Portion zum Sattessen, sondern auch hervorragend auf den Punkt zubereitet.
Nur Italienisch
Wenn man es etwas weniger schwer möchte, empfehlen sich als Hauptmahlzeit die Gnocchi mit Spinat und Ricottasauce, die an der Grenze zwischen delikat und fade liegen, obwohl sie mit frisch gemahlenem Pfeffer gewürzt werden.
Als Nachspeise ist Flódni, ein dreilagiges Gebäck mit Mohn, Äpfeln und Walnüssen, ein unverzichtbarer Teil des jüdischen Essens in Ungarn. Dieses schlichte Backwerk kann man kaum falsch zubereiten, außer es ist zu trocken, was hier glücklicherweise vermieden worden ist. Auch der Apfelkuchen ist sehr lecker, ein Machwerk aus bissfesten Äpfeln auf einem Bett aus Vanillecreme, umgeben von einem Ring knusprigen Teigs.
Die Preisskala ist breit gefächert, aber nicht niedrig, einige Gerichte sind manchmal schnell alle. Werktags gibt es auch ein zweigängiges Mittagsmenü. Wenn die Bedienung langsam ist, kann es daran liegen, dass das Lokal zur Mittagszeit sehr frequentiert ist.
Yiddishe Mamma Mia
Geöffnet:
Montag-Freitag 11-24 Uhr, Samstag-Sonntag 11-01 Uhr
Tel. (+36-1) 378-1377
VII. Gozsdu udvar,
Innenhof D
www.ymmrestaurant.com
Preise
Vorspeisen, Suppen:……………….700-2.500 Ft
Hauptgerichte, Pizza, Pasta:….1.550-4.500 Ft
Desserts:…………………………………….750-950 Ft
Mittagstisch:……………………………………..950 Ft








