Am Mittwoch und Donnerstag fand die internationale Tagung „Wirtschaft und Wohlstand in Mitteleuropa im Vergleich 1867 bis zur Gegenwart“ an der Andrássy Universität statt. In Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Kulturforum organisierte das Donauinstitut der Universität die Tagung, die sich zum Ziel setzte, einen umfassenden Überblick über das einerseits geschichtliche, andererseits jedoch hochaktuelle Thema der Wohlstandsentwicklung und der regionalen Unterschiede im mitteleuropäischen Raum zu geben.
Mittwoch Nachmittag füllte sich der Andrássy-Saal des Palais Festetics mit allem was Rang und Namen im Bereich der Wirtschaftsgeschichte und der Wohlstandsforschung im mitteleuropäischen Raum hat. Ellen Bos, die Leiterin des Donauinstituts begrüßte die Gäste und Vortragenden, die zum Teil aus Wien, Brünn und sogar Paris zur Tagung angereist waren. Sogleich unterstrich sie die Aktualität des Themas mit dem Hinweis auf die dritte Säule der EU-Strategie für den Donauraum, welche „Aufbau von Wohlstand im Donauraum“ lautet. Das Thema sei nicht nur für die Wirtschaft relevant, und die interdisziplinäre Herangehensweise der Tagung sowie das Doktorandenseminar, das im Anschluss veranstaltet werde, freue sie besonders. „Mein Dank gilt dem Österreichischen Kulturforum, deren Leiterin Elisabeth Kornfeld nicht nur die gute inhaltliche Zusammenarbeit, sondern auch die Finanzierung ermöglicht hat“.
Das Donauinstitut selber lebe und gedeihe prächtig, fügte Bos hinzu. Dank Projektmittel aus dem Fördertopf des Széchényi Plans der ungarischen Regierung konnten der erste Research Fellow und eine Projektkoordinatorin eingestellt werden. „Wir werden hoffentlich bald mit eigenen Forschungsergebnissen auftreten können und weitere Tagungen und Konferenzen organisieren“, schloss sie optimistisch.
Reale Wohlstandsunterschiede?
Auch der österreichische Botschafter in Ungarn, Michael Zimmermann, honorierte die Praxisnähe und gesellschaftspolitische Relevanz des Donauinstituts. Der Botschafter sprach als ersten Aspekt den subjektiven Charakter des Wohlstands an, der, sobald erlangt, als selbstverständlich angesehen werde, sobald jedoch verloren, bittere Ressentiments über Generationen hinweg zu wecken fähig sei. Der zweite Aspekt sei das europäische Bild: Wie real sind die Wohlstandsunterschiede in dieser Union, und wie steht es um die Möglichkeit sie zu verringern?
Der Research Fellow des Donauinstituts und Tagungsleiter, Christopher Walsch, eröffnete ebenfalls wenig historisch. Während der Wirtschaftskrise seien Ökonomen (vielleicht zu recht) hart kritisiert worden wegen ihrer fehlenden oder falschen Prognosen. Je-doch seien sie allein gelassen worden. Es sei also an der Zeit, ihnen mit einer langfristigen Perspektive Hilfestellung zu bieten.
Genau das wurde in den darauf folgenden Referaten und Panels getan. Von der Donaumonarchie über die Zwischen- und Nachkriegszeit bis zur Wende und der EU-Osterweiterung wurde auf verschiedenen Ebenen die Frage der Wohlstandsentwicklung beleuchtet. Der Reichtum der artikulierten Gedankengänge und Thesen gründete auf der internationalen Zusammensetzung der Vortragenden, die das Thema aus ihrem jeweiligen Fachgebiet erörterten.
Somit kann der Tagungsband, der mit der Unterstützung der Fakultät für Mitteleuropäische Studien womöglich schon im Herbst erscheinen wird tatsächlich zu einem Nachschlagewerk werden, das die Makro-Region und ihre unterschiedlichen Wohlstandsentwicklungen im Hinblick auf ihre aktuellen wirtschaftliche Herausforderungen – nicht nur Ökonomen – verständlicher machen wird.



