Der Sturz des libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi, die Atomwende, das Ende der Ära „Steve Jobs“, die Rotschlamm-Katastrophe, die EU-Ratspräsidentschaft wird von Ungarn übernommen – all das und viel mehr geschah im Jahr 2011, das mit einem strammen Tempo Tag für Tag Veränderungen mit sich brachte. Eigentlich sind wir sie ja leid, die Jahresrückblicke. Jedes Jahr vor Weihnachten werden sie zahlreich präsentiert, in der Hoffnung, die Leute würden sich Gedanken über die vergangene Zeit machen. Genau aus dieser Motivation heraus entstand auch die Idee der Pressefotoausstellung in Budapest. Seit dreißig Jahren werden hierbei Fotos gezeigt, die das vergangene Jahr am besten repräsentieren und beschreiben.
Mit über hundert Fotografien präsentiert die Ausstellung die schönsten, wichtigsten und bewegendsten Pressebilder des Jahres 2011. So führt sie den Besucher auf charmante Weise durch das vergangene Jahr mit all seinen Höhen und Tiefen, Gewinnern und Verlierern. Der Schwerpunkt liegt auf den Geschehnissen in Ungarn und dem Umland, jedoch sind auch die großen internationalen Ereignisse wie die königliche Hochzeit in England oder dem Tag des Todes Osama bin Ladens vertreten. Alle zusammen porträtieren sie komische, mitreißende oder tragische Situationen, die ein aufschlussreiches Bild über den Zustand unserer Welt ergeben.
Zeit zum Nachdenken
Die Ausstellung punktet mit einer unglaublichen Vielfalt an Exponaten, die in sehr verschiedene Themenbereiche einzuordnen sind. Prince William hängt schräg gegenüber eines Insassen eines Gefängniskrankenhauses und im Wasser plantschende Babys teilen sich die Wand mit einem riesigen Pferdeauge. Der erste Eindruck hinterlässt das bunte Bild einer chaotischen Zusammenstellung und, wenn man ehrlich ist, ist es das auch. Nichtsdestotrotz ist das Konzept der Ausstellung genial, da jeder Besucher zu fast jedem Bild ganz eigene Assoziationen und Erinnerungen hat. Egal ob einen das euphorische Gefühl des arabischen Frühlings kurzzeitig überkommt oder die Entrüstung über die Rotschlamm-Katastrophe sich Bahnen bricht, appelliert die Ausstellung an jeden Einzelnen individuell. Zwingend setzt man sich mit dem vergangenen Jahr auseinander, überdenkt vieles noch einmal und fragt sich unweigerlich, wo die Zeit geblieben ist.
Neben den obligatorischen aber dennoch beeindruckenden Sportfotografien geht es teilweise sehr makaber zu, wenn Fotos von schwer kranken oder sterbenden Kindern gezeigt werden. An diesen Stellen der Ausstellung macht sich bedrückende Anteilnahme breit und die Besucher kommen merklich ins Grübeln.
Zu den üblichen Pressefotos gibt es in diesem Jahr eine begleitende Ausstellung, die sich mit der europäischen Geschichte der vergangenen drei Jahrzehnte auseinandersetzt. Auch hier sind die authentischsten Pressefotos ausgewählt worden, die Geschichten von Heroinsüchtigen, Politikern und historischen Ereignissen erzählen.
Die Ausstellung ist nicht nur etwas für Kunstkenner und Hobbyfotografen, sondern für alle politisch und gesellschaftlich Interessierten. Man sollte zwar eine gewisse Begeisterung für Fotografie mitbringen, um wirklich Spaß an der Ausstellung zu haben, aber bei der kulturellen Vielfalt der Bilder ist für jeden Geschmack etwas dabei.
Die 30. Ausstellung zu den Pressefotos des vergangenen Jahres ist noch bis zum 6. Mai im ungarischen Nationalmuseum zu sehen.
Pressefoto Ausstellung
Ungarisches Nationalmuseum
V. Muzeum körút 14-16
Öffnungszeiten (außer Montags)
10.00 bis 18.00 Uhr
Eintrittspreis:
600 Forint






