
Unternehmer Alexander Pappas: „Wir müssen nicht in Quartalsergebnissen denken und können Investitionen unter einem längerfristigen Aspekt betrachten.”
Am Rande der Jahrespressekonferenz von Pappas Auto Magyarország unterhielt sich die Budapester Zeitung mit Alexander Pappas, Geschäftsführer der MB-Automobilvertriebsgesellschaft m.b.H. und – zusammen mit seiner Schwester Catharina Pappas – Inhaber der Pappas-Gruppe, über die Aussichten der ungarischen Tochtergesellschaft und über die Philosophie der Pappas-Gruppe.
Inwieweit werden Sie den Fakt der Daimler-Investition in Kecskemét in Wachstum für Ihre ungarischen Tochterfirma ummünzen?
Die Investition von Daimler in Ungarn ist eine großartige Sache. Hier werden wunderbare Autos gebaut. Darauf kann das Land sehr stolz sein. Auch wir sind natürlich stolz darauf. In unserer Kommunikation werden wir die Kecskeméter Erfolgsgeschichte von Daimler ganz sicher positiv einbauen. Das ist eine einmalige Chance, die wir natürlich nutzen werden. Unsere Tochtergesellschaft wird über das gestiegene Ansehen der Marke Mercedes in Ungarn ganz sicher von der Daimler-Investition profitieren.
Gibt es schon entsprechende Entwicklungen?
Man wird schauen, wie sich das alles entwickelt. Natürlich geht das nicht von heute auf morgen. Tatsache ist aber, dass Mercedes mit der Fabrik jetzt eine ganze andere Stellung und Wahrnehmung in Ungarn hat. Alle betroffenen Stellen arbeiten sehr eng zusammen. Ungarn ist für die Daimler AG ein wichtiger Markt. Mittelfristig sehe ich hier noch viel Potenzial.
Außer Österreich und Deutschland sind Sie nur in Ungarn tätig. Planen Sie in Zukunft auch in weiteren Ländern der Region tätig zu werden?
Die Sachen, die wir machen, wollen wir ordentlich machen. Dazu gehört eine klare Schwerpunktbildung. Dass wir nach Österreich und Deutschland ausgerechnet in Ungarn Fuß gefasst haben, hat übrigens nicht zuletzt auch einen persönlichen Grund: Mein Vater wurde hier geboren. Seit Beginn unseres hiesigen Engagements vor Ort haben wir hier massiv investiert. So können wir jetzt auf ein ordentliches Händler- und Werkstattnetz bauen und sind für die Zukunft gut aufgestellt. Sollten sich da und dort Gelegenheiten ergeben, dann schauen wir sie uns natürlich näher an. Das wichtigste aber ist, nicht um jeden Preis zu wachsen, sondern die Märkte ordentlich zu besetzen.
Was könnte in Ungarn abgesehen vom Gesamtklima bei den Rahmenbedingungen besser sein?
Bei einigen steuerlichen Regelungen gab es Verbesserungen. Insgesamt aber ist die Steuerbelastung in Relation zur Kaufkraft zu hoch. Ein weiteres Problem ist die Schattenwirtschaft. Ich denke da vor allem an Grauimporte und teils schwarz arbeitende Werkstätten. Daraus ergeben sich für uns große Wettbewerbsnachteile. Der ungarische Staat sollte in seinen Anstrengungen, dagegen anzugehen nicht nachlassen. Unser größtes Problem aber ist die generelle krisenbedingte Zurückhaltung der Kaufkraft.
Wie geht es mit Ihrer Markenpolitik weiter?
Wir fahren in Ungarn eine sehr offensive Strategie, in deren Rahmen wir unter unserem Dach auch verschiedene andere Marken angesiedelt haben. Diese Strategie hat dazu beigetragen, dass wir die Krise abfedern und Arbeitsplätze sichern konnten. So sind wir jetzt aber auch sehr gut gerüstet für den Zeitpunkt, ab dem es wieder bergauf geht. Die Stückzahlen sind ja schon jetzt nicht so schlecht. Bei Mercedes werden in diesem Jahr bei der A- und B-Klasse, zwei ausgesprochene Stückzahlenautos, vorgestellt. Auch in anderen Klassen gibt es interessante Neuerungen. Wir sind überzeugt, dass wir bei den Stückzahlen bei Mercedes bald wieder dort anknüpfen können, wo wir vor der Krise waren.
Die Neuvorstellungen werden verstärkt ins zweite Halbjahr fallen und ihre Wirkung daher in diesem Jahr nicht voll entfalten können.
Kein Problem, wir denken langfristig. Klar werden wir die wirtschaftlichen Effekte der Neupräsentationen nicht alle in diesem Jahr spüren. Dafür haben wir dann aber eine sehr gute Ausgangsposition für nächstes Jahr. Wenn dann auch noch von der gesamtwirtschaftlichen Situation ein wenig Rückenwind dazukommt, dann können wir uns schon jetzt auf ein ausgezeichnetes Jahr 2013 freuen.
Ist Ihr Markenportfolio vollständig rund?
Beim jetzigen Stand der Dinge ist es rund. Wir sind mit unserem derzeitigen Markenportfolio sehr zufrieden. Aber die Erde ist auch rund und dreht sich. Ich würde nicht ultimativ sagen, dass beim jetzigen Stand unseres Markenportfolios Schluss wäre. Für lukrative Gelegenheiten sind wir natürlich immer offen. Wir sind aber nicht aktiv auf der Suche nach neuen Marken. Den Markenmix, den wir momentan haben, können wir optimal vermarkten. Ich bin auf jeden Fall Anhänger einer Mehr-Marken-Strategie. Man darf sich dabei aber auch nicht verzetteln und zu viele Marken hereinholen. Bei Pappas Auto versuchen wir eine spezielle Identität aufzubauen. Der Kunde muss sich bei uns wohlfühlen und ganz genau wissen, wofür wir stehen. Für welche Marken und für welche Produkte. Auch steht Pappas für das Markenversprechen, alles mindestens einen Deut besser zu machen als die Konkurrenz. Das müssen wir glaubhaft umsetzen, damit es uns unsere Kunden auch weiterhin abnehmen. Deswegen dürfen wir uns auch nicht zu breit aufstellen.
Wie ist Ihre Markenstrategie in den drei Ländern beschaffen, in denen Sie aktiv sind?
Sie ist sehr unterschiedlich und richtet sich ganz nach den jeweiligen Gegebenheiten. In Österreich haben wir Kia beispielsweise nicht im Portfolio. Die Marke Fiat hingegen führen wir sowohl in Österreich als auch in Deutschland. Insgesamt ist in diesen beiden Ländern der Anteil von Mercedes deutlich höher als in Ungarn. In Ungarn hatten wir durch die Krise einen viel höheren Druck. Nicht zuletzt deshalb haben wir hier vor dreieinhalb Jahren Kia aufgenommen. Die Fahrzeuge von Kia korrespondieren besser mit der hiesigen Kaufkraft, sind von ihrer Qualität her aber trotzdem hervorragend.
Ohne die Krise hätten sie Kia jetzt also vielleicht nicht im Portfolio?
Kia ist unsere Antwort auf veränderte Marktbedingungen. Im Nachhinein können wir feststellen: es war eine goldrichtige Entscheidung. Ohne Kia an Bord würden wir heute nicht so gut dastehen. Da hat Friedrich Lixl, unser damaliger Geschäftsführer vor Ort, rechtzeitig die richtigen Schritte eingeleitet.
Die Entscheidung für Kia ergab sich in Ungarn?
Ja. Es gab diesbezüglich keine Vorgaben von Seiten unserer Zentrale. Hier liegt übrigens eine unserer Stärken. Unser Unternehmen ist sehr vital und verfügt über eine gute Diskussionskultur. Jeder hat bei uns die Möglichkeit, seine Ideen einzubringen. So entstehen viele neue Ideen, nicht zuletzt auch an der Basis vor Ort, so auch in Ungarn. Und das ist auch gut so. Schließlich kann ich in unserer Zentrale in Salzburg das Geschäft und den Markt vor Ort nicht so gut kennen, um optimal gestaltend eingreifen zu können. Ein weiterer Vorteil unserer Firma ist, dass sie klein genug ist und vom Inhaber geführt wird und daher rasch und flexibel Chancen wahrnehmen und auf veränderte Rahmenbe-dingungen reagieren kann. Derart aufgestellt können wir auch langfristig denken und planen. Das ist heutzutage ein großer Luxus. Wir müssen nicht in Quartalsergebnissen denken und können Investitionen unter einem längerfristigen Blickwinkel untersuchen. Deswegen konnten wir auch in der Krise kräftig weiterinvestieren und unsere Basis für ein nachhaltiges Wachstum ausweiten. So haben wir auf dem Höhepunkt der Krise in Ungarn nicht nur die Marke Kia aufgenommen, sondern uns auch den Standort Debrecen zugelegt. Profit hat für mich etwas mit Wertschöpfung zu tun. Alles andere ist Spekulation und daher nicht nachhaltig. Virtuelle Luftschlösser sind nicht meine Sache. Die Krise hat mal wieder in aller Deutlichkeit gezeigt, keine Blase hält ewig. Man kann nur hoffen, dass die Leute die richtigen Lehren daraus gezogen haben.
Die Freiheit nachhaltig zu wirtschaften, hat nicht zuletzt etwas mit der finanziellen Solidität eines Unternehmens zu tun. Wie steht die Pappas-Gruppe diesbezüglich da?
Wir sind nach wie vor gut kapitalisiert. Finanziell haben wir keine Probleme. Klar, ich möchte nicht noch zehn Jahre eine solche Krise mitmachen. Aber bis jetzt sind wir ganz gut durch die Krise gekommen und sind auch zuversichtlich, dass wir uns in den nächsten Jahren ordentlich auf den Märkten behaupten können. Wichtig für die Unabhängigkeit eines Unternehmens finde ich auch, dass man konservativ haushaltet und sich finanziell nicht übernimmt. Dann hat man auch in Krisenzeiten den nötigen finanziellen Spielraum.
Wie oft sind Sie in Ungarn?
Ganz verschieden, wie gerade Arbeit anfällt. Ich muss hier nicht über jedes Detail informiert sein. Wenn man den Leuten das Vertrauen gibt, dann muss man sie auch arbeiten lassen. Bei der strategischen Planung bin ich aber immer mit dabei.
Pappas Auto Magyarország Kft.
Umsatz 2011 um 12 Prozent gesteigert
Trotz nach wie vor schwieriger Marktverhältnisse konnte die Pappas Auto Magyarország Kft. ihren Umsatz im vergangenen Jahr um 12 Prozent auf 37,4 Milliarden Forint steigern. Mit Blick auf die Stückzahl konnte die Firma bei PKW und Transportern deutlich über dem Marktdurchschnitt zulegen.
„Die erfreuliche Entwicklung ist ein Beweis für die Richtigkeit unserer Strategie, die darauf basiert, zeitgleich sowohl unser Netz als auch die angebotene Markenauswahl auszuweiten“, so István Nagy, Geschäftsführer der Pappas Auto Magyarország Kft., auf der Jahrespressekonferenz letzten Dienstag. Insgesamt konnte die Firma 2011 an ihren sechs Standorten 2.077 Fahrzeuge verkaufen und lag damit 9 Prozent über dem Vorjahreswert. Besonders zulegen konnte dabei die Marke Kia: mit 515 verkauften PKW konnte der Vorjahreswert fast verdoppelt werden. Ein neuer Schauraum im modernen „Red Cub“ Design von Kia, der aus Anlass der Pressekonferenz offiziell übergeben wurde, soll den Kia-Absatz weiter befördern.
Von der Marke Mercedes-Benz – deren größter Händler Pappas Auto in Ungarn ist – konnten letztes Jahr 565 Fahrzeuge verkauft werden. Damit legte die Firma um 7 Prozent zu und lag selbst mit diesem Wert noch über dem Marktdurchschnitt. Bei Neufahrzeugen schnitt die Firma sogar noch besser ab. Während es in Ungarn 2011 bei Neuzulassungen ein Wachstum von nur 4 Prozent gab, verbesserte sich Pappas Auto mit ihren Marken Mercedes-Benz, Smart, Jeep, Lancia, Fiat und Kia um 25 Prozent. Auch bei Nutzfahrzeugen konnte Pappas Auto dynamisch zulegen, 2011 verkaufte die Firma 1.849 Fahrzeuge, was einem Plus von 32 Prozent entspricht. Besonders dynamisch entwickelte sich der Absatz von Transportern, von denen etwa 50 Prozent mehr verkauft werden konnten.
Bezüglich des laufenden Kalenderjahres rechnet die Firma nur mit einem geringfügigen Wachstum der Zahl der verkauften Fahrzeuge. Beim Umsatz geht sie sogar von einem Rückgang von 7 Prozent aus, wobei Geschäftsführer Reinhard Leutgeb darauf hinwies, dass „die Planung für 2012 sehr konservativ angesetzt“ ist. Die Gründe für den Umsatzrückgang sind vielfältig. Die beiden Geschäftsführer nennen unter anderem die schlechten wirtschaftlichen Aussichten, die Mehrwertsteuererhöhung auf 27 Prozent, die Wechselkursschwankungen und Unsicherheiten bei der Finanzierung. Es gäbe aber auch positive Veränderungen, so etwa die Senkung der Registrationssteuer und die Möglichkeit, bei einigen Leasingmodellen die Mehrwertsteuer zurückzuverlangen.
Schließlich gibt es auch noch hausgemachte neue positive Faktoren. So erhofft sich die Firma von der Einführung eines integrierten Service-Pakets ab 1. Februar spürbare Impulse für das Geschäft. Das Paket sieht vor, dass die Garantielaufzeit auf vier Jahr beziehungsweise 120.000 gefahrene Kilometer ausgeweitet wird. Ein weiterer positiver Faktor ist im Prinzip auch hausgemacht: die unmittelbar bevorstehende Aufnahme der Serienfertigung der B-Klasse von Mercedes-Benz in Kecskemét. Geschäftsführer Reinhard Leutgeb geht davon aus, dass diese Tatsache die Kaufentscheidungen insbesondere der ungarischen Kunden sicher positiv beeinflussen wird.





