Schuldige für Devisenkreditmisere gesucht!
Hinsichtlich der Einhaltung des Defizitziels für dieses Jahr scheint die Regierung noch nicht auf der sicheren Seite zu sein. Nachdem die Koalition aus Fidesz und KDNP zuvor schon sicherheitshalber einen Betrag von 200 Milliarden Forint einfrieren ließ, kündigte Premier Viktor Orbán nach einer Regierungssitzung am vorletzten Mittwoch an, dass sich durch verschlechterte Makrodaten ein zusätzliches Finanzloch in Höhe von etwa 100 Milliarden Forint ergeben könnte, was entsprechende Gegenmaßnahmen erfordere.
Die Ankündigung erfolgte überraschend. Schließlich enthielt eine nur knapp einen Tag zuvor erschienene Meldung des Volkswirtschaftsministeriums zur Lage des Haushalts keinerlei Andeutungen in diese Richtungen. Im Gegenteil: Es wurde darin ausdrücklich erklärt, dass das unter den Erwartungen liegende Wirtschaftswachstum keinesfalls die von der Regierung übernommenen Defizitverpflichtungen für das aktuelle Kalenderjahr gefährde.
Eurokrise ist ernste Herausforderung für Ungarn
Auf einer Pressekonferenz nach der Regierungssitzung bemerkte der Ministerpräsident, dass die von der Euro-Zone ausgehende Finanzkrise eine ernste Herausforderung für Ungarn darstelle. Auf eine Nachfrage erklärte Orbán aber entschieden, dass die Regierung das diesjährige Defizitziel von unter drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes erfüllen werde – „komme, was wolle“. Sicher sei weiterhin, dass die Regierung den Abbau der Staatsverschuldung und den Ausbau eines proportionalen Steuersystems weiterführen werde. „Wir bemühen uns darum, in Ungarn das einfachste und transparenteste Steuersystem zu schaffen.“
Bezüglich des diesjährigen Bruttoinlandsproduktes erklärte er: „Wir sollten nicht die Prognosen ändern, sondern uns an die Realität anpassen.“ Durch ein geringeres Wachstum von rund zwei Prozent gegenüber der ursprünglichen Prognose von drei Prozent könnte sich ein zusätzliches Defizit von etwa 100 Milliarden ergeben. Auch die Inflation falle geringer als erwartet aus. Deshalb erfordere das Halten des diesjährigen Defizitzieles im Herbst weitere Maßnahmen. Details teilte er diesbezüglich jedoch nicht mit. Er bemerkte lediglich so viel, dass die zu treffenden Maßnahmen auf eine Vereinfachung und Erleichterung des Wirtschaftslebens hinzielen würden. Von etwaigen weiteren Sparmaßnahmen, wie das die Opposition wenig später unterstellte, war auf dieser Pressekonferenz jedenfalls nicht die Rede.
Stattdessen würdigte Orbán die im letzten Jahr beschlossenen Entscheidungen der Regierung dank derer sich Ungarn immer weiter aus der Gefahrenzone entfernt habe. Allerdings sei es dem Land bisher noch nicht gelungen, die Zone ganz zu verlassen. „Wir müssen uns mit der Tatsache anfreunden, dass die Eurokrise eine ernste Herausforderung für Ungarn darstellt“, warnte er. „Wir werden aber nicht zulassen, den Preis für die Krise und die Konsequenzen der früheren schlechten Entscheidungen von den Menschen bezahlen zu lassen“, betonte er.
Einfrierung der Wechselkurse war “adäquate Antwort”
Auf der Regierungssitzung sei es auch wieder um das Thema Fremdwährungskredite gegangen. Einhellig sei dort festgestellt worden, dass die Entscheidung zur Einfrierung der Wechselkurse eine „adäquate Antwort“ auf die entstandene Lage gewesen sei. Damit sich die in Not geratenen Devisenkreditnehmer in Kenntnis der zur Verfügung stehenden Möglichkeiten noch besser entscheiden könnten, werde die Regierung demnächst die Aufklärungsarbeit verstärken. Außerdem teilte Orbán mit, dass er den Wirtschaftsminister darum gebeten habe, die Hintergründe dafür zu untersuchen, warum sich die Bürger „von der sicheren, staatlich subventionierten Kreditierung auf Forint-Grundlage“ massenhaft zur „riskanten Kreditaufnahme auf Fremdwährungsbasis“ hinbewegt hätten. Außerdem solle der Minister die Verantwortlichen dafür nennen.
Regierung will Banken noch mehr auf die Finger schauen
Schließlich bat Orbán den Minister eine sogenannte Wohnungsschutz-Monitoring-Kommission aufzustellen. An der Arbeit der Kommission sollen auch Vertreter der Finanzmarktaufsicht PSZÁF und der Nationalbank teilnehmen. Die Kommission solle unter anderem darauf achten, dass die Berechnung der Tilgungsraten durch die Banken „transparent und eindeutig“ zu erfolgen habe. Sollte die Kommission befinden, dass die Banken ihren Kräftevorteil missbrauchen, werde die Regierung einschreiten.




