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Tante Emma lässt schön grüßen!

Neuer Feinkostladen in Pécs eröffnet

Tante Emma lässt schön grüßen!

Handgemachte Himbeerbonbons, Nudeln aus der kleinen Manufaktur, Marmelade wie von der Oma, und dies alles noch dazu aus Un­garn: Diese typisch ungarischen Produkte wird der Tourist am Budapester Flughafen vergeblich suchen, aber dafür findet er sie im Sipőcz Ház in Pécs.

Optisch noch immer eine Apotheke. Erst auf den zweiten Blick realisiert man ihr neues Profil.

Um einem breiteren Publikum mehr traditionelle ungarische Produkte zu bieten, wurde am 9. Juni das Sipőcz Ház – Premium Hungaricum Ház – in Pécs eröffnet. Nur ein paar Schritte sind es vom Szechényi tér zur alten Apotheke, wo die Produkte künftig präsentiert werden. Prominenz aus der Region, potentielle Kunden, sogar Land­wirt­schafts­minister József Angyán aus Budapest war anwesend. Jetzt, wo die Autobahn fertig ist, sind auch die Budapester in zwei Stunden hier in Un­garns schönem Süden.
Angyán begrüßte diese Initiative ausdrück­lich. Mittler­wei­le weiß man offenbar in den ministeriellen Amtsstuben, dass ohne Klein­pro­du­zen­ten in Ungarn nur noch die Ketten-Dis­coun­ter das Sagen hätten und der geschätzte Tourist sogar in Pécs mit Mozart­kugeln aus Salzburg oder Mangalica-Wurst und Kürbisöl aus der Steiermark vorliebnehmen müsste.

Im Sipőcz-Haus wohnt jetzt Tante Emma.

Apothekenmuseum und Feinkost

Marzipan gibt es auch aus Ungarn, und das Mangalica-Schwein, das ungarische Woll­schwein, kommt aus ebenfalls dem Lande – es eignete sich zu sozialistischen Schweine­groß­mastzeiten nicht für die Massentierhaltung und sein marmoriertes festes Fett galt lange Zeit als unappetitlich. Europaweite Lebens­mit­telskandale haben den Wert regionaler Pro­dukte wieder steigen lassen, auf diesen Zug springt der neue Laden in Pécs nun auf. Der Präsident der Vereinigung Premium-Hungaricum, Imre Kádár, warb ebenfalls dafür, mehr und häufiger Produkte aus heimischer Kleinproduktion zu kaufen. Er freute sich des Weiteren darüber, die alte Apotheke als „Tante-Emma-Laden“ den Besuchern von Pécs präsentieren zu können.
Der Kulturmanager László Éberling hatte die Idee, und die Stadt Pécs stellte den Laden miet­frei zur Verfügung, um hier einen Treff­punkt zu schaffen, dessen Ausgestaltung noch Optimierungsmöglichkeiten hat. Noch liegen die Waren wie einst in der Apotheke aus – deshalb beschleicht einen immer wieder das Gefühl, bloß nichts anzurühren.
In den hinteren Räumen befinden sich einige Vitrinen mit Apotheker-Gerätschaften, auch hier braucht es noch den Übergang von der alten Heimatmuseumsoptik zu einer museumspädagogisch spannenderen Ausstel­lung. Gleichwohl lädt das museale Ambiente zum Verweilen ein. Man staunt, was früher so alles in einer Apotheke benutzt wurde.
Was die Produkte betrifft: Schon mal Merlot in verschiedenen Erntestufen verkos­tet? Alter Hut? Aber gar nicht! Denn am Er­öff­nungsnachmittag gab es Rebensaft zum „Blindverkosten“ – frühe/mittlere/späte Lese – dasselbe mit Kékfrankos (Blaufränkisch). Fürwahr eine spannende Sache.
Ein ungarischer Biowinzer von der Mo­hács-Bólyer Weinstraße bietet hier sauberen Wein zu fairen Preisen an – eine schöne Kom­bi­nation. Da ist auch noch der Kadarka. Was heute als Kadarka im Ausschank geboten wird, wurde vor 30 Jahren noch als „flüssiges Kopfweh“ verspottet. Damit hat dieser Wein aber auch gar nichts mehr zu tun. Hier ist einer der Villányer Platzhirsche Anbieter dieser nicht einfach zu kelternden Traube, denn sie ist zart, empfindlich und außerordentlich delikat. Vorausgesetzt natürlich man weiß, wie man sie anbauen und anschließend verarbeiten muss.

Alte Tradition in neuem Gewand

Bei Pianomusik klang die Laden-Eröffnung aus. Es bleibt wirklich zu hoffen, dass die Idee Fuß fasst. Wenn „Tante Emma“ wieder einen Laden in Pécs hat, wo man sich trifft, etwas kauft, etwas probieren kann und gerne wiederkommt, denn trägt dies auch zur Belebung der Innenstadt und zur Schaffung der Identität einer Stadt und Region bei. Genussregion Pécs? Klingt doch gut! Hierzu bedarf es aber noch großer Anstrengungen, viel Eigeninitiative und eines Blicks über den ungarischen Tellerrand hinaus.

Viel Glück, Tante Emma!

Claudia Mari aus Pécs

Sipőcz Ház
Apáca utca 1, 7621 Pécs
Dienstag bis Sonntag, 10-19 Uhr
Tel.: +36 30 467 0602
www.sipoczhaz.eu

One Response to “Neuer Feinkostladen in Pécs eröffnet”

  1. Kaineder says:

    Finde ich super das es auch in einer grösseren Stadt wie Pecs auch wieder einen Tante Emma Laden gibt. Weiter so und viel Glück.

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