Metro M4? Spätestens 2015!
Als besondere Ehre kann es sich der Deutsche Wirtschaftsclub Budapest (DWC) anrechnen, dass ihm der neue stellvertretende Bürgermeister Gyula Hutiray gleich seinen ersten öffentlichen Auftritt nach seiner Wahl widmete. Während Hutiray am Mittwochvormittag von der Hauptstädtischen Vollversammlung einstimmig in die neugeschaffene Funktion eines für die Stadtentwicklung verantwortlichen stellvertretenden Oberbürgermeisters gewählt worden war, stand er nur einige Straßenzüge weiter am Abend desselben Tages im Kempinski den DWC-Mitgliedern und -gästen bereits Rede und Antwort.

Der neue stellv. OB Gyula Hutiray ist sich über den engen finanziellen Spielraum bei der Stadtentwicklung im Klaren.
Gegenüber der Budapester Zeitung stellte er zunächst klar, dass sein neues Aufgabengebiet inhaltlich keinesfalls völlig unbekannt für ihn sei. „Auch bisher schon habe ich mich an der Seite des für die Stadtbewirtschaftung verantwortlichen stellvertretenden Oberbürger-meisters István György als Hauptberater mit Fragen der Stadtentwicklung beschäftigt.“ Allenfalls würden die von Oberbürgermeister István Tarlós initiierte Aufwertung dieses Verantwortungsbereichs und die Ernennung von Hutiray zu seinem fünften Stellvertreter zeigen, wie wichtig Tarlós dieser Bereich sei. Dass alle Fäden, welche die Stadtentwicklung betreffen, in Zukunft bei Hutiray zusammenlaufen, verbessere natürlich auch die Koordinierung der verschiedenen Aufgaben und Projekte.
Wohin die Reise im Einzelnen gehen kann, erklärte György Kerekes, der oberste Architekt der Hauptstadt Budapest. Auf mehreren Kartenaus-schnitten von Budapest, die er dem Publikum präsentierte, hatte er in Form von gelben Leuchtpunkten die wichtigsten zukünftigen Entwick-lungsprojekte der Stadt eingezeichnet. Zu den Spektakulärsten zählt etwa das Verschwinden des Südbahnhofs und der entsprechenden Gleisanlagen zugunsten eines neuen Stadtzentrums von Buda. „Im Gegensatz zu Pest gibt es in Buda einmal abgesehen vom Verkehrsknotenpunkt Széll Kálmán tér – ehemals Moszkva tér – kein richtiges Stadtzentrum.“ Auf dem riesigen frei werdenden Bahnhofsareal könnte da Abhilfe geschaffen werden. Zumal der Trassenabschnitt zwischen Kelenfölder und Südbahnhof spätestes mit der Fertigstellung der Metrolinie 4, deren eine Endstation am Kelenfölder Bahnhof liegt, „überflüssig“ werde.
Natürlich wollten die Anwesen-den wissen, wann denn im Rathaus mit der Fertigstellung der Metro-
linie M4 gerechnet werde. „2015“, antwortete Hutiray. Überraschenderweise hänge dieses Datum weniger von den Bauarbeiten an der Trasse zwischen Kelenfölder Bahnhof und Baross tér ab, sondern dem Vorhandensein geeigneter Fahrzeuge. Sollte sich die Stadtführung nach dem Alstom-Debakel zu einer neuen Ausschreibung entschließen, könnte die M4 im schlimmsten Fall 2015 den Betrieb aufnehmen. Sollte aber doch noch mit Alstom ein Kompromiss erzielt werden, könnte die Inbetriebnahme sogar schon Ende 2013 erfolgen. Allerdings ließ Hutiray erkennen, dass 2015 realistischer sei. Als Zieldatum nannte er konkret das erste Quartal 2015.
Was die anderen baulichen Megaprojekte betrifft, die Kerekes dem staunenden Publikum aufzählte, musste Hutiray wiederum einräumen, dass die Stadt für deren Verwirklichung kaum über eigene liquide Mittel verfüge. Der Aufnahme von Krediten wiederum seien wegen der enormen Altlasten aus der Demszky-Ära äußerst enge Grenzen gesetzt. Umso mehr sei die Stadtführung auf die Einbeziehung von EU-Mitteln angewiesen. Aber auch privates Kapital sei willkommen, betonte Hutiray. Fallweise sogar im Gegenzug für das Abtreten von Immobilieneigentum.



