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Dózsa: Schweißgebadeter Held

Tanztheater im Palast der Künste

Dózsa: Schweißgebadeter Held

Es war einmal ein mutiger Mann namens György Dózsa. Er führte 1514 den ungarischen Bauernaufstand an und kämpfte in den Türkenkriegen. Nun tanzt er jedoch auf der Bühne des Budapester Kulturpalastes – und das leider mehr schlecht als recht: Das nächste Mal am 14. April.

Péter Novák als Dózsa: Mehr schlecht als recht.
 
Ein Nationalheld ist György Dózsa heute eher für die ältere Gene­ra­tion, die jüngere kennt seine Ge­schichte oft nur noch bruchstückhaft. Das Tanztheater zum Stück dürfte mit seinen Strobo-Lichtern und der Nebelmaschine im Dauerbetrieb hingegen lediglich Kleinkinder beeindrucken. Mehr als der buchstäbliche Schall und Rauch ist da leider nicht. Aber noch einmal von vorne: Die Idee zu „Dózsa“, der „Tanzchronik über György Dózsas Heldentaten“, stammt von Zoltán Zsuráfszky, einem erfahrenen Choreographen und Regisseur, der vom Nussknacker bis hin zu Dracula bereits an vielen Dutzend Büh­nen­stü­cken mitarbeitete. Eine „spektakuläre und unterhaltende Tanz- und Musik-Show“ sollte es werden, eine Verbin­dung von Historie und Entertainment für die ganze Familie. Die Musik für dieses Spektakel wählte Péter Makó aus, seines Zeichens Bläser beim populären Volksmusik-Ensemble Csík Ze­ne­kar. Dabei gelang ihm eine erfrischende Mischung aus Folklore und Pop. Um Musik und Handlung in einen gemeinsamen Kontext zu stellen, schrieb Tamás Szarka außerdem die Texte zu einigen für das Stück komponierten Liedern.
 Für den Tanz zeichnen sich die professionellen Tänzer des Honvéd Tanz­theaters verantwortlich, die auf der Bühne ganze Arbeit leisten. Timing und Schritte sitzen perfekt, und selbst die kompliziertesten Tänze führt die Truppe, mit einer atemberaubenden Leichtigkeit und erstaunlichen Synchronität auf. Stilistisch wird dabei eine modernisierte Version ungarischer Volkstänze gezeigt, mit der die Tänzer oftmals zu zwanzigst die Performance des György Dózsa begleiten. Getanzt wird dieser von Péter Novák. Der 41-Jährige war als Sänger, Schauspieler und Moderator bereits in ganz Ungarn tätig, beispielsweise in der Fernsehsendung „Me­ga­star 2“. Als Held auf der Bühne des Kul­turpalastes steht der mittlerweile etwas beleibtere Novák selbstverständlich den Großteil des Stückes im Mit­tel­punkt. Leider fallen so im Schein­wer­fer­licht auch Fehler und Unachtsam­kei­ten leichter auf – besonders, wenn man neben Profis tanzt. Novák scheint am Abend mehrere Male fast über seine eigenen Beine zu stolpern. Am Ende des Stückes ist er zudem so sehr außer Puste, dass er nur noch mit Mühe die letzten Tanzschritte schafft. Ein Genuss ist es jedenfalls nicht, dem puterroten, verschwitzten Novák bei seiner One-Man-Show zuzusehen. Abgesehen vom Tanz ist auch der Gesang nicht gerade eine Meisterleistung. Gerade im Duett mit seiner großen Liebe Piroska fällt Dózsa weit ab. Gespielt wird diese von Zsuzsanna Fekete, die mit ihrer klaren, hoch ausgebildeten Stimme mühelos jeden Ton trifft. Novák hingegen verfällt nicht selten in ein schwer zu ertragendes Gekrächze, um auch in hohen Tonlagen noch mithalten zu können.
„Dózsa“ ist ein wohlüberlegtes, vielschichtiges Stück, das mit Sicherheit jede Menge Arbeit gekostet hat. Und dabei verfehlt es sein Ziel nicht: Es ist in der Tat spektakulär, auf eine Art auch unterhaltsam. Allerdings sei es dahingestellt, ob Spektakel auch Qualität, An­spruch und Geschmack garantiert. Und ob der Held eines Tanzthea­ter­stückes wirklich unbedingt ein Star sein muss.

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