Teuerung bei viereinhalb Prozent. Die Inflationsrate legte im März um 1,1% zu und betrug auf Jahresebene 4,5%, teilte das Zentralamt für Statistik (KSH) mit. Gegenüber dem Februar legten die Lebensmittelpreise (insbesondere für Zucker und Mehl) um durchschnittlich 2%, die Preise für Strom und Kraftstoffe um 4% bzw. 3,4% zu. Vor einem Jahr brauchten die Ungarn für Zucker zwei Drittel, für Mehl 60% und für Speiseöl ein Viertel weniger zu bezahlen, Kraftstoffe und Leitungsgas wurden um ein Sechstel teurer, Fernwärme um ein Zehntel.
Grundsteinlegung in Szentgotthárd. Im Beisein von Ministerpräsident Viktor Orbán wurde am vergangenen Dienstag der Grundstein zum neuen Motorenwerk von Opel in Szentgotthárd gelegt. Dort werden schon ab kommendem Jahr drei neue Motorentypen produziert, die der neuen EU-6-Abgasnorm gerecht werden. Das Investitionsprojekt von 500 Mio. Euro erhält 5,5 Mrd. Forint an staatlichen Zuwendungen, weil es direkt und indirekt rund 2.500 Arbeitsplätze schaffen wird.
Immer weniger Wohnungskäufe auf Pump. Das Volumen der Wohnungskredite belief sich am Jahresende 2010 nach Angaben des KSH auf rund 4.300 Mrd. Forint oder 16% am BIP. Das entspricht einer leichten Zunahme, die sich angesichts eines schwachen Forintkurses aber überwiegend aus dem Zweidrittelanteil von Devisenkrediten am Gesamtportfolio erklärt. Im II. Halbjahr genehmigten die Kreditinstitute nur noch 21.000 Neukredite im Gesamtwert von weniger als 100 Mrd. Forint.
Polen auf absteigendem Ast? Während der Weltwirtschaftskrise wurde es als Musterland im Osten Europas apostrophiert, nun scheint der jüngst aufgedeckte Schwindel mit den Makrokennziffern Polen in Nöte zu bringen. Ungarn könnte von der Verunsicherung der Anleger und Investoren profitieren, die Warschau überfordert sehen, das zuletzt auf 8% am BIP gekletterte Haushaltsdefizit in den Griff zu bekommen, zumal im Herbst Parlamentswahlen anstehen.
Endgültiges Aus für Emfesz. Das Ungarische Energieamt (MEH) zog am vergangenen Donnerstag die Konzession des alternativen Gashändlers Emfesz Kft. zurück, nachdem das Unternehmen seine Finanzlage in den letzten 90 Tagen seit Aussetzung der Genehmigung Mitte Januar nicht ausreichend stabilisieren konnte. Die Kunden kehren im Prinzip zu ihren früheren Versorgern zurück und erhalten auch nicht länger Rabatte auf ihre Tarife.
M-Telekom kappt die Dividende. Die Jahreshauptversammlung der Magyar Telekom Nyrt. beschloss eine Dividende von 50 Ft (Vorjahr: 78 Ft) und eine Anhebung der Gewinnrücklage aus dem Nettoergebnis von 77,4 Mrd. Ft um 12,8 Mrd. Ft. Das Management wollte mit der infolge der Krisensteuern gekappten Dividende erreichen, dass die Nettoverschuldung nicht über 40% steigt.
Energieversorger zahlen Dividende. Die Elm?-Émász-Unternehmensgruppe schüttet ihren Aktionären auf das Geschäftsjahr 2010 eine Dividende von 1.700 bzw. 1.400 Ft pro Aktie (im Nennwert von 10.000 Ft) aus. Die gegenüber den Vorjahren sinkende Dividende dürfte mit der zusätzlichen Belastung der Stromversorger aufgrund der Krisensondersteuer zusammenhängen.
Miskolc kauft Heizkraftwerk nun doch nicht. Die Stadtführung von Miskolc änderte nach drei Jahren ihren Standpunkt in der Frage des Kaufs des örtlichen Heizkraftwerks. Der Eigentümer, die staatliche Stromholding MVM, wollte das Objekt ursprünglich an das ungarische Privatunternehmen Elmib Zrt. veräußern, was einen politischen Konflikt heraufbeschwor, weil viele Beobachter ausufernde Fernwärmetarife befürchteten. Der Fidesz sieht Dank der neuen Energiepolitik keine Veranlassung mehr für den Kauf, da die Regierung die Fernwärmetarife fortan zentral über den Energieminister feststellen lässt.
Huawei macht Ungarn zu Verteilerzentrale. Das ungarische Tochterunternehmen eines der führenden chinesischen Telekommunikationskonzerne wird zum Produktions- und Logistikzentrum der Huawei-Gruppe für Europa, Nordafrika und den Nahen Osten ausgebaut, gab Geschäftsführer Gavon Dai bekannt. Erst 2009 hatten die Chinesen das Europe Supply Center in Pécs eingerichtet, das im Vorjahr Exporte von 600 Mio. Dollar abwickelte und dieses Volumen 2011 verdoppeln möchte.
Medienfusion dürfte scheitern. Der Medienrat lehnt eine Fusion von Ringier und Axel Springer in Ungarn ab. Damit scheint klar, dass auch die Wettbewerbsaufsicht GVH nicht für die Transaktion stimmen wird, nachdem sie den Medienrat um eine fachliche Stellungnahme ersuchte. Die Fusion würde das Recht der Bürger auf eine vielseitige Information erheblich einschränken, heißt es zur Begründung: Ringier hätte u. a. die auflagenstärksten Tageszeitungen „Népszabadság“, „Nemzeti Sport“ und „Blikk“ eingebracht, Axel Springer steht hierzulande für viele Regionalzeitungen, die Wirtschaftstageszeitung „Világgazdaság“ und zahlreiche Wochen- und Monatsmagazine.
Ungarn fehlt der Mittelstand. Damit ein Unternehmen förderfähig und finanzierbar wird, muss es mit wenigstens 50 Mitarbeitern mehr als 500 Mio. Ft Umsatz generieren, sagte der Vorstandsvorsitzende der Commerzbank Zrt., András Kozma, auf einer Konferenz. Diese Mittelstandsschicht ist in Ungarn außerordentlich dünn gesät: Es gibt landesweit weniger als 10.000 Firmen, die diesen Kriterien gerecht werden – in Tschechien sind es doppelt so viele.
Geht Volksbank an Russen? Die staatliche russische Sberbank dürfte als Käufer der Volksbank International in Erscheinung treten, berichtete ein russisches Geschäftsmagazin. Die Gruppe unterhält 573 Filialen in neun Ländern Osteuropas, darunter Ungarn, und verfügt über eine Bilanzsumme von 13,7 Mrd. Euro. Erst im Februar hatte Sberbank-Chef German Gref eine internationale Expansion seiner Bank in Aussicht gestellt.