Trotz der Tatsache, dass Ungarn in der ersten Hälfte des Jahres 2011 den Vorsitz der Europäischen Union innehat, haben die US-amerikanischen und die westeuropäischen Medien diese Nachricht beflissentlich ignoriert. Stattdessen unternehmen sie große Anstrengungen, die neue ungarische Regierung zu diskreditieren. Dabei handelt es sich weniger um eine Verschwörung, als vielmehr um den Versuch, den Willen der Mehrheit der ungarischen Wähler zu missachten und die ausländischen Medien für ihre Zwecke zu instrumentalisieren.
Ungefähr vor einem Jahr geschah etwas Beispielloses in der postkommunistischen Ära des Landes. Die ungarischen Wähler statteten die Mitte-rechts-Partei Fidesz mit einer parlamentarischen Zweidrittelmehrheit aus. Dieses Wahlergebnis kam nicht unerwartet. Die zwischen 2002 und 2010 von den Sozialisten (MSZP) geführte Regierung hatte sich als eine der korruptesten und inkompetentesten in der Geschichte des Landes erwiesen. Zum Zeitpunkt, als der Fidesz und Viktor Orbán an die Regierung kamen, war Ungarn am Rande des Staatsbankrotts, seine Bürger waren ohne Hoffnung.
Nach dem Regierungswechsel Mitte 2010 proklamierte Orbán im Grunde das, was ich „finanzielles Kriegsrecht“ nennen würde. Banken, die während der Krise exorbitant profitabel waren, Versicherungen, Telekommunikationsunternehmen und Sektoren, die dem heulendem Sturm der Rezession größtenteils entkommen waren, wurden mit besonderen Steuern belegt. Das Parlament stellte überdies die Vorherrschaft des Staates im Rentensystem wieder her, senkte zudem die Einkommensteuer und begann, langfristige Reformen zu erarbeiten.
Linke Intellektuelle heizen Diskurs mit realitätsfernen Schlagworten an
Als Reaktion begannen die multinationalen Unternehmen, die entschieden links orientierten Intellektuellen und die herrschende Wirtschaftselite des Landes, die internationale Glaubwürdigkeit der Regierung Orbán zu untergraben. Sie warfen Schlagworte in den öffentlichen Diskurs, auf welche die internationale Staatengemeinschaft besonders sensibel reagiert: Ende der Pressefreiheit, Zensur, Antisemitismus, Rassismus, Diktatur. Mit dem heutigen Ungarn haben diese Schlagworte freilich nichts zu tun. Sie sind lediglich ein Instrument der ungarischen Linken, um sie im Schulterschluss mit den internationalen Medien zu verbreiten.
Weil sich das alte als nicht praktikabel erwies, verabschiedete die neue Regierungsmehrheit dank ihrer Zweidrittelmehrheit ein neues Mediengesetz. Sofort wurde das neue Gesetz als antidemokratisch abgestempelt. Und es wurde das Ende der Pressefreiheit ausgerufen. Angesichts des Getöses ungarischer und ausländischer linker Medien geriet das Mediengesetz rasch ins Blickfeld der Europäischen Union. (…)
Die entsprechende EU-Stelle forderte von der ungarischen Regierung die Änderung von vier, hauptsächlich technischen, Aspekten des Gesetzes. Nach der Lektüre der EU-Einwände kann ich mit relativer Sicherheit sagen, dass sie nichts mit Pressefreiheit zu tun hatten. Gleichwohl zeigte die ungarische Regierung Bereitschaft, die von der EU kritisierten Passagen zu korrigieren.
Verblüfft ob der Tatsache, dass die Regierung demokratische Grundsätze einhält und sich rasch mit den EU-Behörden einigen konnte, benötigten die Hintermänner der internationalen Hexenjagd gegen die Regierung nun zusätzliche Munition. Sie fanden sie an ungewöhnlicher Stelle. Die Ungarische Akademie der Wissenschaften (MTA), eine hoch angesehene, fast vollständig staatlich finanzierte Einrichtung, die einige der besten Köpfe des Landes zu ihren Mitgliedern zählt, vergibt Stipendien für verschiedene Wissenschaftsprojekte. Allem Anschein nach gab es bei einigen Projekten, die aus staatlichen Geldern finanziert wurden, Rechtswidrigkeiten. Im Verdacht steht eine Gruppe von Philosophen. Offenbar waren einige der Philosophen Juden. Die Untersuchungen hatten gerade erst begonnen, als eine von ihnen, Ágnes Heller, eine Schülerin des namhaften Philosophen György Lukács, erklärte, dass sie wegen ihrer jüdischen Herkunft an den Pranger gestellt wurde.
Antisemitismus ist eine schreckliche Sache. Aber einer Regierung, die ihr Bestes tut, um die Neonazi-Szene einzudämmen, Antisemitismus vorzuwerfen, ist ebenfalls schändlich. Um die Schamlosigkeit dieses Vorwurfs zu begreifen, darf man nicht vergessen, dass der Fidesz seine Zweidrittelmehrheit im Parlament aufs Spiel setzte, als er kurz vor der Wahl Oszkár Molnár, einen populären Bürgermeister einer ungarischen Kleinstadt und Parlamentsabgeordneten, aus der Partei ausgeschloss. Und warum wohl setzte Orbán den Politiker vor die Tür? Antwort: Weil er eine antisemitische und eine Anti-Roma-Bemerkung gemacht hatte.
Es hat leider den Anschein, als würden diese Fakten bei denjenigen nicht verfangen, die sich weigern zu akzeptieren, dass die heutige konservative Regierung eine Zweidrittelmehrheit hat, also ein starkes Mandat, um Ungarn aus dem finanziellen Chaos zu führen.
Wenn ich mich recht erinnere, antwortete ein angesehener Richter des US Supreme Court auf die Frage, wie Gesetze die Presse regeln sollten, wie folgt: „Du sollst nicht lügen“. Ich glaube, dass dies ein guter Grundsatz ist. Und er sollte immer gelten, egal ob wir über Menschen schreiben, die wir mögen oder nicht mögen, über Liberale oder Konservative. Wir sollten prüfen, informieren, unsere Meinung äußern, aber nicht lügen.
ZUR PERSON
George F. Hemingway ist Vorstandsvorsitzender der 1983 von ihm gegründeten Investmentfirma Hemingway Group. 1991 gründete er die Hemingway Stiftung, die sich in all jenen Ländern, in denen die Group aktiv ist, um soziale Belange des jeweiligen Landes kümmert. Seit 1990 ist Hemingway auch in Ungarn aktiv. Seit 2000 unterrichtet der US-Amerikaner als Gastprofessor an der Budapester Corvinus-Universität. Neben seiner Muttersprache spricht er auch Deutsch und Ungarisch.




