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Kulturhauptstadt Europas mit fortdauernden Nebenwirkungen

Halbzeitbilanz und Ausblick

Die Kulturhauptstädte Europas sind in der Halbzeit angekommen. Nach vielen negativen Schlagzeilen, begleitet von kontroversen Dis­kus­­sio­nen, kann Pécs heute eine positive Bi­lanz ziehen und damit ein erfolgreiches Halb­jahr verbuchen. Mit einem Überblick über die be­vorstehenden Veranstaltungen möch­te die Budapester Zeitung die zukünftige Orien­tie­rung erleichtern.

Die 2.000-jährige Univer­sitäts­stadt hat fast 170.000 Ein­wohner und ist das Zentrum der süd-transdanubischen Region. Be­deu­tend also in jeglicher Hinsicht. Ge­nauso beachtlich waren auch die Inves­ti­ti­o­nen in Höhe von 35 Milliarden Forint die in die Stadt­ent­wicklung, Vorbe­rei­tungen und Pro­gramme geflossen sind.
Zahlreiche Rekonstruktions­ar­bei­ten an den Gebäuden im Zsolnay-Viertel und in der sogenannten „Straße der Museen“ sowie Neu­bau­ten wie das Wissens-, Kon­ferenz- und Kon­zertzentrum und Ausstellungsräume wurden zwar zu diesem Anlass, aber zweifelsohne auch für die Zukunft gebaut.
Die Veranstaltungen im Rahmen von Pécs 2010 verbinden Offen­heit, Tradition, Krea­ti­vi­tät und Ini­tiative auf nationaler und internationaler Ebene. Davon zeugt ein ganzjähriges Pro­gramm von Pécs in Zusam­men­arbeit mit Städten in Deutschland. Eines davon trägt den Titel „Architektur und Kontext“. Die damit verbundenen Veranstal­tun­gen konzentrieren sich auf zeitgemäße Strategien der Stadtent­wicklung. Die Veranstaltungs­rei­he besteht aus Ausstellungen, einer internationalen Konfe­renz, bunten Kunst­ak­tionen an öffentlichen Plät­zen, verschiedenen Pub­li­ka­tionen und einer internationalen Aus­schrei­­bung für Medien­kunst.
Ungarische, deutsche und türkische Stu­den­ten kommen bei dem Projekt „Temporäre Stadt an besonderen Orten“ zu Wort. „Wel­chen kulturellen Wert haben temporäre Events und zeitlich begrenzte räumliche Ins­ze­nierungen in unseren Städten? Welchen Beitrag können sie zu einer lebendigen Städ­te­­bau­kultur leisten?“ Auf solche und ähnliche Fragen suchen sie Antworten und entwickeln innovative beziehungsweise provokative Kon­zep­te. Die von einer international besetzten Ju­ry ausgewählten besten Beiträge werden dann in den drei Städten umgesetzt. Die Pro­gram­me dieses internationalen Dialogs dauern bis Ende September.
„Karawane 2010“ lautet der Titel der musi­ka­lischen Beiträge, die am 18. Juni in Bochum-Wattenscheid, 21. Juni in Istanbul und 24. Juli in Pécs stattfinden. Musiker aus den Kulturhauptstädten sowie aus In­dien, der Mongolei und Kanada erfreuen die Zuhörer mit verschiedenen Musikstilrichtungen wie Klas­sik, Folklore, Pop und Jazz.
Bei der Essen-Pécs Wind Music 2007-2010 handelt es sich um junge Musiker, die schon eine längere Freundschaft verbindet. Der Kon­­takt kam bereits vor vier Jahren zustande und festigte sich durch Konzertreisen und gemeinsame Auftritte. Die jungen Musiker probieren sich seitdem auch an der Musik­tra­di­tion des jeweils anderen Landes aus und erar­bei­teten so ein gemeinsames Repertoire. Eine gemeinsame CD wird in Kürze entstehen. Zu sehen sind sie vom 4. bis 8. Juli in Pécs und am 9. Juli in Essen.
Der „Flying Grass Carpet“ ist ein einzigartiger temporärer Park, der überall „landen“ kann. Das orientalische Muster lässt ihn wie einen riesigen persischen Teppich erscheinen und dient damit als perfekte Bühne für die unterschiedlichesten Aktivi­täten. Der Teppich bringt einen Flecken Grün in das Stadtleben, was durch die immer weiter zunehmende Pri­va­tisierung der Innen­städte, Mangel an öf­fent­lichen Räu­men und Plätzen immer größere Bedeutung hat. Nachdem sich der fliegende Teppich am 10. Juni aus Pécs verabschiedet, wird er den gesamten Juli in Essen und im September und Oktober in Istanbul zu sehen und zu betreten sein.
Die Ausstellung „Nonfigurative Malerei – Ruhrgebiet trifft Ungarn“ wird in Ober­hau­sen vom 13. Juni bis 15. August, in Pécs vom 24. August bis zum 20. September zu sehen sein. Die internationale Kultur­woche vom 24. Juli bis 1. August in Pécs gilt als das einzige themenorientierte internationale Jugend­fes­tival der süd-transdanubischen Region mit einer hochklassigen Sommer­uni­versität. Die Ver­anstalter rechnen deswegen mit etwa 1.000 ausländischen und ungarischen Ju­gend­lichen.
„Stadt/Zeit/Plan“ – drei Orte und eine Ausstellung, die mit Hilfe von Fotos, Ge­gen­stän­den, Texten, audiovisuellen und interaktiven Mit­teln verschiedene Zeitalter skizziert und Plätze aufzeigt, die mit der Funktion und den Überlagerungen der verschiedenen Re­li­gio­nen verbunden sind. Das Programm wird vom Janus-Pannonius-Museum, vom Do­nau­schwäbischen Zen­tral­­museum Ulm, vom  Mu­seum Euro­päischer Kulturen Berlin und in Zu­sammenarbeit mit dem Deut­schen Kul­tur­forum Östliches Eu­ropa organisiert. Die weiteren bevorstehenden Ausstellungs­zei­ten für das zweite Halbjahr sind vom 18. Juni bis 5. September im Do­nau­­schwä­bischen Zentral­mu­seum in Ulm und vom 17. Sep­tem­ber bis 31. Oktober in der Unga­ri­schen Bot­schaft in Berlin.
Unvorstellbar, dass Pécs sich präsentiert, ohne für seine 150-jährige traditionsreiche Porzellanmanu­fak­tur Zsolnay Werbung zu ma­chen. Am 24. Juni wird deswegen im  Museum Hetjens in Düsseldorf eine Aus­stel­l­ung eröffnet, bei der die bedeutendsten Stücke wie das Zsolnay Dekorations- und Gebrauchspor­zel­lan sowie die europaweit berühmte Gebäudekeramik präsentiert werden. Ausgewählte Exemplare aus den Schätzen des Zsolnay-Museums können bis zum 27. September in Düsseldorf besichtigt werden.
Das Rockmarathon Pécs feiert in diesem Jahr seinen 10. Geburtstag. Dies ist natürlich ein guter Anlass für die Organisatoren, einen Rock­­marathon ins Leben zu rufen. Während des zehntägigen Festivals in Pécs zwischen 5. und 11. Juli treten auf vier Live-Bühnen und an vier weiteren Schauplätzen 150 Bands auf.
„Von der Kunst zum Leben – Ungarn im Bauhaus“ heißt eine Ausstellung vom 15. August bis 15. Oktober, die in Kooperation des Berliner Bauhaus Archivs und des Janus Pannonius Museums organisiert wird. In der Ausstellung, die ab November 2010 auch im Ber­li­ner Bauhaus Archiv gezeigt wird, werden unter anderem Werke von Bau­häuslern aus Pécs – Marcell Breuer, Ern? Forbát, Hugó Johan, Farkas Molnár, Henrik Stefán, Andor Weininger oder Etel Fodor – und aus ganz Ungarn wie zum Beispiel Sándor Bortnyik, László Moholy-Nagy und Gyula Pap vorgestellt. Außerdem werden auch internationale Bauhaus-Künstler wie Josef Albers, Walter Gropius, Johannes Itten, Wassily Kandinsky und Paul Klee bei der Ausstellung vertreten sein.
Die Deutsche Filmwoche gibt einen Ein­blick in die reiche Filmwelt des Ruhr­gebiets. Ziel der Veran­stal­tung ist die Vor­stellung des Le­bens und der Denkweise der dort Le­ben­den. Vor allem die in Pécs und Umgebung le­ben­de ungarndeutsche Minder­heit wird sich über die Filme in ihrer Mutter­spra­che freuen. Die Filmwoche ist vom 2. bis zum 9. September angesetzt.

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