Rache ist das Ende der Diplomatie
„Hör auf dich zu
beklagen, schreib ein Buch!“ Anne Marshall Zwack hat diesen Rat ihres Mannes
gegen Langeweile befolgt. Ihr Debüt „The Diplomatic Corpse“ steht nun auch in
Ungarn in den Buchläden. Gewidmet ist es allen Frauen mit Rachephantasien.
Es sollte keine
Zwack Unicum-Veranstaltung werden. Aber Péter Zwack nutzte den Abend dennoch
dazu, nochmals seinen Sohn Sándor Zwack
als neuen Vorstandsvorsitzenden des Spirituosenimperiums bekannt zu geben.
Dann überließ er
das Wort aber seiner Frau Anne Marshall Zwack. Tritt sie als Autorin auf, ist
von ihm nur als „dem ungarischen Ehemann“ die Rede. So
steht es auch in der Widmung des Buches.

Bei der
Präsentation von „The Diplomatic Corpse“ am vergangenen Donnerstag stellte Anne
Marshall Zwack aber auch klar, dass ihr Buch den Frauen gehört, und zwar vor
allem den Rachsüchtigen. „Jede Frau stellt sich doch manchmal vor, was sie mit
einer Rivalin tun würde, die ihrem Liebesleben im Weg steht“, meint Anne
Marshall Zwack. Maggie, ihre Hauptfigur, rafft sich nach dem Tod ihres Mannes
auf, um diese Phantasien endlich auszuleben. Sie muss nämlich feststellen, dass
ihr Ehemann, ein angesehener Botschafter, seinen Herzanfall eigentlich der
Bettakrobatik einer anderen Frau verdankt. Und da er seine außerehelichen
Aktivitäten weder auf eine Frau, noch auf eine Stadt beschränkte, beginnt
Maggie einen Rachefeldzug quer durch Europa. Autobiographisch ist die
Geschichte um die betrogene Frau nicht. Aber Anne Marshall Zwack weiß natürlich
um das (Über-)Leben als Diplomatengattin. Schließlich war Péter Zwack selbst
einmal für kurze Zeit Botschafter in den USA. Da musste auch seine Frau Anne
rund um die Uhr das Land repräsentieren und sich auf Empfängen langweilen. „Man
darf nie man selbst sein, muss immer bestes Benehmen zeigen. Und für die Frauen
gibt es dabei auch keine Anerkennung“, erinnert sie sich.
Ihre Romanfigur
Maggie blüht nach dem Ausbruch aus ihrem Leben als brave Botschaftergattin erst
richtig auf. Begleitet wird sie dabei von ihrem Chauffeur Zoltan, einem
melancholischen und schweigsamen Ungar, der natürlich gerne Unicum trinkt und
für Maggie ein unersetzlicher Helfer bei ihren perfiden Plänen wird. Das
ungarisch-englische Gespann mit all seinen kulturellen Unterschieden dürfte
auch von Anne Marshall Zwacks privaten Erfahrungen gefärbt sein. Die Liebe zu
Ungarn und Budapest merkt man der Autorin in ihrem Buch jedenfalls an, auch
wenn viele Städte zu detailliert beschriebenen Schauplätzen werden.
Anne Marshall
Zwack vermag auch humorvoll zu schreiben. Und mit Maggie ist ihr eine
sympathische und mondäne Titelheldin gelungen. „The Diplomatic Corpse“ ist für
den Leser vor allem eine leichte Lektüre. Für Anne Marshall Zwack, die davor
schon für Magazine geschrieben hatte, war ihr Erstlingsroman regelrecht
befreiend. „Ich hatte genug davon über Fakten zu schreiben. Es hat mich
gelangweilt. Ich wollte eine fiktionale Geschichte schreiben. Auch wenn die
Figuren mir doch irgendwann fast wie reale Personen vorkamen“, so die Autorin,
die sich bei der Vorbereitung ihres Buches auch einige Ratschläge von echten
Botschaftern geben ließ.
Anne Marshall
Zwack arbeitet mittlerweile schon an ihrem zweiten Buch. Es werde wieder um das
Aufeinandertreffen von England und Ungarn gehen, verrät sie. „The Diplomatic
Corpse“ wird in diesem Jahr auch in der ungarischen Ausgabe erscheinen, dazu
voraussichtlich ab September auch in deutscher Sprache. Das Wortspiel im Titel
– eine Anspielung auf das Diplomatische Corps – geht dann leider verloren. Der
deutsche Titel des Buches soll wenig kreativ „Ein kleines bisschen Rache“
lauten.





