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DUIHK feiert 15. Geburtstag


Networking, Lobbying und Informationen

An diesem Donnerstag wird die Deutsch-Ungarische Industrie- und
Handelskammer (DUIHK) nicht nur ihre Jahreshauptversammlung abhalten, sondern
anschließend im Rahmen eines Galaempfangs feierlich den 15. Jahrestag ihrer
Gründung begehen. Die Kammer kann nach anderthalb Jahrzehnten eine solide
Bilanz vorweisen.

Hervorgegangen ist die DUIHK vor 15 Jahren aus dem Delegiertenbüro der
deutschen Wirtschaft, das im Zuge des unmittelbar nach der politischen Wende
einsetzenden schwunghaften deutsch-ungarischen Handels 1990 von Eva Dude
gegründet worden war. 1993 wurde das Büro in eine Handelskammer umgewidmet, aus
der Delegierten wurde eine Geschäftsführerin. Drei Jahre später ging die
Leitung der Kammer an Jürgen Illing über. In seine Zeit fiel neben dem Umzug
aus dem Gebäude der ehemaligen DDR-Handelsvertretung in der Stefánia út in ihr
heutiges Domizil in der Lövőház utca im zweiten Bezirk auch ein rasantes
Anwachsen der Zahl der Mitglieder und Mitarbeiter. Wolfram Klein, der die
Kammer 2002 von Illing übernahm, kam schließlich die Aufgabe zu, das erreichte
hohe Niveau nachhaltig zu konsolidieren. Im August 2006 wurde der Posten des
geschäftsführenden Vorstands von  Gabriel
A. Brennauer übernommen.

 
Geändertes Dienstleistungsprofil

Neben der Größe hat sich in den vergangenen Jahren auch das
Dienstleitungsprofil der Kammer grundlegend geändert. Bildete am Anfang –
inmitten des herrschenden allgemeinen Informationsdefizits – noch die
Weitergabe von einfachen Informationen den Schwerpunkt, seien die
Beratungsdienstleistungen heute wesentlich komplexer, erklärt Präsident Tamás
Vahl. Die Firmen würden sich heute verstärkt für spezielle Teilaspekte von
Investitionen interessieren, etwa die Möglichkeit an Fördermittel zu kommen,
oder spezifische Informationen zu ganz konkreten Branchen nachfragen. Besonders
lebhaftes Interesse kann die Kammer bezüglich der Bereiche Automobilzulieferer
und Umwelttechnik verzeichnen. Eigens für letztgenannten Bereich verfügt die
Kammer inzwischen sogar über einen speziell geschulten Referenten. Die Zahl der
Anfragen hat sich seit Ungarns EU-Beitritt 2004 bei etwa 2.000 pro Jahr
eingependelt, etwa drei Viertel kommen davon von Unternehmen in Deutschland mit
Interesse an einem Engagement in Ungarn.

 

Interessenvertretung deutscher
Firmen

Eine weitere wichtige Aufgabe sieht die Kammer in der Interessenvertretung
der vor Ort aktiven deutschen Unternehmen gegenüber dem ungarischen Staat.
,,Unser Hauptmotiv ist dabei die Schaffung von fairen und EU-konformen
Wettbewerbsbedingungen. In den normal funktionierenden Wettbewerb greifen wir
nicht ein“, stellt Brennauer klar. Ganz wichtig ist dabei die enge Kooperation
mit den Kammern anderer EU-Mitgliedsländer. ,,Wenn wir erkennen, dass auch die
Mitglieder anderer Kammern mit einem ähnlichen Problem konfrontiert sind,
treten wir gemeinsam auf und präsentieren geschlossen einen EU-Standpunkt“. Die
Lobbyarbeit beschränkt sich aber nicht nur auf die aktive Hilfe bei
Problemfällen. Ebenso wichtig ist auch die beratende Teilnahme bei der
Erarbeitung von neuen Gesetzen. Die Mitgliederzahl, die vor einigen Jahren
sogar einmal die Tausender-Marke angerissen hatte, liegt seit mehreren Jahren
bei rund 900. Seit ihrer Gründung ist die DUIHK damit permanent die stärkste
gemischte Kammer. Sie liegt deutlich vor der AmCham und der italienischen
Kammer. Die Spitzenposition gilt erst recht mit Blick auf das von deutschen
Unternehmen in Ungarn investierte Kapital. Knapp ein Fünftel der
Kammermitglieder hat seinen Sitz in Deutschland. ,,Während am Anfang unter den
Mitgliedern diejenigen mit einem deutschen Geschäftsanteil klar dominierten,
werden inzwischen  auch rein ungarische
Firmen Mitglied in der Kammer“, unterstreicht Brennauer. Hauptmotivation für
den Eintritt in die Kammer sei in jedem Fall verstärkt die Verbesserung des
Networkings. Doch auch der Erwerb von exklusiven Informationen und konkreten
Dienstleistungen spiele bei Neumitgliedern als Motivation eine Rolle.
Schließlich gäbe es etliche Veranstaltungen, die nur den Mitgliedern
vorbehalten sind.

Eine weitere Verschiebung des Mitgliederprofils kann die Kammer auch mit
Blick auf die Nationalität der Führungskräfte verzeichnen, die ihr Unternehmen
gegenüber der Kammer vertreten. Hier spielen zunehmend Ungarn eine Rolle. Die
gewandelte Mitgliederstruktur und Interessenlage spiegelt sich in der
Angebotspalette wider. Während es früher nur einen Veranstaltungstyp für alle
Mitglieder gab, bemüht sich die Kammer heute zunehmend auch um differenzierte
Angebote. So gibt es etwa Veranstaltungen in deutscher Sprache, die speziell
auf die Bedürfnisse von deutschen Expats und Ungarn-Neulingen zugeschnitten
sind. Dem Networking-Motiv beim Erwerb der Kammermitgliedschaft wird ebenfalls
mit neuen Veranstaltungsformaten Rechnung getragen. Als besonders populär hat
sich hier der seit gut zwei Jahren alle ein bis zwei Monate angebotene ,,Jour
fixe“ erwiesen. An diesen Zusammenkünften nehmen regelmäßig zwischen 100 und
150 Interessierte teil.

Die Beziehungen zum Deutschen Wirtschaftsclub, die unter vorherigen
Kammergeschäftsführern mitunter von gewissen Animositäten geprägt waren, sind
heute völlig entspannt. Deutliches Zeichen dafür sind gegenseitige
Mitgliedschaften, aber auch die Abhaltung von gemeinsamen Veranstaltungen wie
dem beliebten Sommerfest im Innenhof der Kammer oder Informationsveranstaltungen.
,,Die Zusammenarbeit unserer beiden Organisationen ist reibungslos. Jede der
beiden Organisationen hat ihre Existenzberechtigung“, so Tamás Vahl. Für die
Zukunft der Kammer sieht er keine Notwendigkeit für grundlegende Veränderungen.
,,Wir sind Dienstleister. Mit Networking, Lobbying und Informationen versuchen
wir zum geschäftlichen Erfolg unserer Mitglieder beizutragen. Mit diesem
Hauptziel vor Augen passen wir unsere Angebotspalette an die jeweilige
Nachfragesituation an“, führt auch Brennauer dazu aus.

Was die Stimmung im Jubiläumsjahr unter den Mitgliedern betrifft, ist
Brennauer vorsichtig. ,,Klar sind die Unternehmen auf Grund der konjunkturellen
und politischen Situation etwas verunsichert“, räumt er ein. Auf der anderen
Seite seien aber keine Pläne von Unternehmen abzusehen, ihre Zelte in Ungarn
abzubrechen. Die deutschen Direktinvestitionen in Ungarn sind relativ stabil,
nicht zuletzt wegen der Reinvestitionen von bereits vor Ort aktiven
Unternehmen. Beim Interesse von deutschen Unternehmen hinsichtlich eines
wirtschaftlichen Engagements in Ungarn, könne die Kammer selbst in den
vergangenen zwei Jahren keinen Einbruch verzeichnen. ,,Kein Wunder, die
Unternehmen denken langfristig, und da werden Ungarn immer noch gute Aussichten
eingeräumt, und das relativiert kurzfristige negative Erscheinungen.“ Selbst
der zunehmende Facharbeitermangel sei zwar für viele Firmen ein ernsthaftes
Problem, aber kein speziell ungarisches Investitionshemmnis: ,,Auch andere
Länder der Region und selbst Deutschland stehen vor ähnlichen Problemen,
insofern ist Ungarn hier keine Ausnahme“, relativiert Vahl.

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